
Vergangene Woche haben wir die Wette gegen die Breite beschrieben. Die gehebelten Fonds setzten mit über 400.000 Kontrakten gegen den S&P 500, die Spekulanten im Nasdaq so stark auf Technologie wie nie in diesem Jahr. Am Donnerstag verlor der Halbleiterindex 6,7 Prozent, der Nasdaq 2,6 Prozent. Der gleichgewichtete S&P-500-ETF stieg am selben Tag. Die Wette der Profis hatte einen schlechten Tag, unsere einen guten.
Wir haben uns trotzdem eine unbequeme Frage gestellt: Würde ein neuer Leser, der heute einsteigt, mit unseren Positionen Geld verdienen? Und könnte er überhaupt nachvollziehen, was wir halten? Die ehrliche Antwort auf die zweite Frage war: nur mit Mühe. Sechs Positionen und drei Sparplan-Raten aus einem halben Jahr, jede mit eigenem Einstiegstag, eigenen Zonen und eigener Geschichte. Gut dokumentiert, aber kein Portfolio.
Deshalb ziehen wir heute einen harten Strich. Wir schließen die Bilanz unserer ersten Phase, mit allem, was gut lief, und allem, was nicht lief. Und wir eröffnen ein Portfolio mit 100.000 Euro fiktivem Startkapital, festen Gewichten und festen Regeln, das jeder nachbauen kann und das wir ab heute jeden Freitag offenlegen.
Was darin steckt, warum der amerikanische Anteil nur 10 Prozent beträgt und warum ein Drittel als Munition bereitliegt: genau das klären wir heute.
Das Hellermann Makro-Portfolio
Die Bilanz der ersten Phase. Unser bester Schritt war ein Verkauf. Am 3. Juli haben wir die Halbleiter mit einem Plus von 32,8 Prozent vollständig verkauft. Der ETF hat seitdem 14,7 Prozent verloren. Der gleichgewichtete Kern liegt 4,2 Prozent über seiner Juni-Referenz. Weniger gut lief die Strom-Infrastruktur mit minus 15,5 Prozent in Dollar, Wasserstoff und Robotik liegen knapp im Minus. Und eine unbequeme Zahl gehört dazu: Der klassische S&P 500 hat seit Juni mehr gebracht als unser gleichgewichteter Kern. Erst seit dem 7. Oktober dreht sich das. Die vollständige Schlussbilanz steht im Pro-Teil.
Der Neustart. Ab heute führen wir ein Portfolio mit 100.000 Euro fiktivem Startkapital. Gekauft wird alles auf einmal, zu den letzten Schlusskursen vor dem Start vom Donnerstag, 22. Oktober. Wer schon investiert ist, bleibt investiert. Neu ist, dass ab heute alle Leser vom selben Startpunkt aus mitrechnen können.
Die Aufteilung. 65 Prozent tragen Risiko, 35 Prozent liegen als Munition bereit:

Der amerikanische Aktienmarkt bekommt nur 10 Prozent. Das ist eine bewusste Entscheidung, und wir erklären sie unten. Europa und die Schwellenländer bekommen je 15 Prozent. Drei Themen-ETFs teilen sich 15 Prozent, Rohstoffe 10. Der Rest liegt in kurzlaufenden US-Staatsanleihen und auf dem Tagesgeld.
Die Regeln. Höchstens 10 Positionen. Kein Themen-ETF über 5 Prozent. Weicht eine Position um mehr als ein Zehntel von ihrem Zielgewicht ab, führen wir sie zurück. Steigt der Risikoaufschlag für Hochzinsanleihen an 3 Tagen in Folge über 3,50 Prozent, halbieren wir die Themen-ETFs und schichten in Anleihen um. Fällt er an 3 Tagen in Folge unter 3,00, gehen wir zurück auf das Zielgewicht. Jede Änderung gilt zum letzten Schlusskurs vor der Veröffentlichung und steht mit Begründung im Newsletter.
Woran wir uns messen lassen. Unser Ziel ist eine Sharpe Ratio von mindestens 0,8 über 12 Monate. Die Kennzahl setzt die Rendite über dem risikolosen Zins ins Verhältnis zur Schwankung. Sie beantwortet die Frage, wie viel Rendite wir pro Einheit Risiko erzielen. Bis 12 Monate um sind, weisen wir sie seit Start aus.
Hellermann Makro-Portfolio | Stand 23.10.2026 |
|---|---|
Wert | 100.000 Euro (Start) |
Performance seit Start | 0,0 % |
Sharpe Ratio | ab Woche 12 aussagekräftig |
Was diese Woche wichtig war
Die Breite schlägt zurück.
Am 7. Oktober erreichte das Verhältnis zwischen dem klassischen und dem gleichgewichteten S&P 500 einen Rekord. Nie seit Beginn unserer Datenreihe 2006 hatten die großen Werte den Durchschnitt so weit abgehängt. Seitdem ist der gleichgewichtete Index um 3,6 Prozent gestiegen, der klassische um 1,8 Prozent gefallen. Am Donnerstag verlor der Halbleiterindex 6,7 Prozent, den stärksten Tagesverlust seit Juni. Auslöser waren unter anderem Meta mit Investitionsplänen von 135 bis 145 Milliarden Dollar und einem negativen freien Cashflow im Quartal, dazu schwache Ausblicke von IBM und Lam Research. Der gleichgewichtete S&P-500-ETF stieg am selben Tag um 0,7 Prozent.
Die Geldflüsse passen dazu. Aus Technologie-ETFs und -Fonds flossen in der Woche bis zum 14. Oktober 5,2 Milliarden Dollar ab, so viel wie seit Juni nicht. Und die Gewinnerwartungen auch: Für das vierte Quartal rechnen die Analysten bei den 493 übrigen Werten mit 30,6 Prozent Gewinnwachstum, bei den 7 großen Technologiewerten mit 23,6 Prozent.
Ein Blick in die Geschichte mahnt zur Geduld. Nach den 4 letzten Rekorden der Konzentration lag der gleichgewichtete Index 3 Monate später jedes Mal vorn. Nach 12 Monaten war es nur noch 3 von 4 Mal so. Die Breite gewinnt schnell, aber nicht verlässlich lange.
Die Fed nimmt das Tempo raus.
Vor einem Monat sah der Terminmarkt für den 28. Oktober zu 55,4 Prozent eine Zinsanhebung. Am Donnerstag waren es noch 7,2 Prozent. Zwei weitere Anhebungen bis Dezember hielt er vor einem Monat zu 42,3 Prozent für wahrscheinlich, jetzt zu 5,7 Prozent. Die Richtung bleibt: Eine Anhebung bis Dezember ist zu 80,5 Prozent eingepreist, bis März zu 95,7 Prozent.
Die Anleihen haben das am Donnerstag gefeiert. Die 10-jährige US-Rendite fiel an einem Tag um 17 Basispunkte auf 4,96 Prozent, die 30-jährige auf 5,29 Prozent - zum ersten Mal seit dem 24. September unter 5,40. Ein Warnsignal für Aktien ist das nach unserer Auswertung nicht: Seit 1990 gab es 60 solcher Tage mit einem Rückgang um mindestens 15 Basispunkte. 3 Monate danach stand der S&P 500 im Mittel 4,4 Prozent höher.
Europas Achillesferse heißt Energie.
Brent schloss am Donnerstag bei 113,17 Dollar, auf einem 5-Monats-Hoch. Am Mittwoch fing die saudische Luftabwehr eine Huthi-Drohne nahe dem Ölfeld Shaybah ab, Trümmer setzten ein Fahrzeug in Brand, zwei Menschen starben. Kurz darauf traf ein Angriff den Flughafen von Dammam. Die USA ziehen nicht benötigtes Regierungspersonal aus Saudi-Arabien ab. Der europäische Gaspreis steht bei rund 90 Euro je Megawattstunde, fast dreimal so hoch wie vor einem Jahr, und die Gasspeicher der EU sind für diese Jahreszeit so leer wie nie seit Beginn der Datenreihe 2011.
Für Europa ist das doppelt wichtig. Die Gewinne der 600 größten europäischen Unternehmen sollen im dritten Quartal um 21,9 Prozent steigen. Ohne den Energiesektor sind es nur 8,4 Prozent. Dazu kommt Frankreich: Der Renditeabstand französischer zu deutschen Staatsanleihen ist so groß wie seit 2011 nicht. Und trotzdem ist Europa billig, die Schwellenländer noch billiger:

Ein Euro erwarteter Gewinn kostet in den USA 19,4 Euro, in Europa 14,2 und in den Schwellenländern 9,7. Der Abschlag der Schwellenländer zu den USA ist so groß wie seit Beginn der Zählung 2006 nicht. Billig allein ist kein Kaufgrund. Warum wir trotzdem dort investieren und wo der Haken liegt, steht im Pro-Teil.
Cashflow Code Watch-Liste
Indikator | Niveau | Trend |
|---|---|---|
10J-Rendite (US) | 4,96 % | ↓ −17 Bp an einem Tag |
HY-Risikoaufschlag | 3,27 % (Mi.) | → Regel-Schwelle 3,50 |
FedWatch 28. Okt.: Anhebung | 7,2 % | ↓ von 27,1 |
VIX | 19,03 | ↑ von 16,68 am Mittwoch |
Brent (BZ=F) | 113,17 $ | ↑ 5-Monats-Hoch |
Gold | 4.024,31 $ | ↓ −3,2 % |
Was Pro-Leser heute zusätzlich bekommen
Das komplette Portfolio: jeder ETF mit WKN, Gewicht, Stückzahl und Startkurs - und für jede Position die Begründung, warum sie in die nächsten Monate passt.
Die Schlussbilanz der ersten Phase, Position für Position, mit den Zahlen, die gut aussehen, und denen, die es nicht tun.
Die Lektion der Woche: warum ein Portfolio mehr ist als die Summe guter Ideen - und was das konkret für unsere Gewichte heißt.
Ab heute sieht jeder, was wir halten. Was wir als Nächstes tun, wissen Pro-Leser zuerst.
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