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Vergangene Woche endete diese Ausgabe mit dem Satz, um 14:30 Uhr wüssten wir mehr. Wir wissen jetzt mehr. Der Arbeitsmarktbericht lieferte 162.000 neue Stellen statt der erwarteten 53.000, die Revisionen der Vormonate drehten nach oben, und der Terminmarkt hat den Münzwurf über den 16. September entschieden: 69,6 Prozent für eine Anhebung. Vor einer Woche waren es 50,4.

Der Anleihemarkt hat die Antwort gepreist, wie er sie die ganze Zeit angekündigt hatte. Die 10-jährige Rendite schloss am Donnerstag bei 4,95 Prozent, dem höchsten Stand seit 52 Wochen - unser Schalter geht mit 9 Schlusskursen über 4,70 in seine zweite Woche. Die 30-jährige riss mit 5,37 Prozent das Jahreshoch und blieb 3 Basispunkte unter der zweiten Marke, die wir seit Wochen führen. Dazu schloss Brent nach Angriffen auf Tanker beider Seiten bei 107,63 Dollar - zum ersten Mal seit Juli über 100.

Neu ist, was der Aktienmarkt daraus macht. Vergangene Woche stand hier ein Markt, der Raketen wegatmet: 0,6 Prozent unter Rekord, Volatilität tiefer als vor dem Kriegsausbruch. Diese Woche hat er aufgehört wegzuatmen - 4 Verlusttage in Folge, die Breite fällt schneller als der Index, und der Volatilitätsindex steht ein Viertel höher als vor 7 Tagen. Der Markt beginnt zu glauben, was seine eigene Anleiheseite ihm seit Wochen vorrechnet.

Heute um 14:30 Uhr, anderthalb Stunden nach Versand, kommt die letzte Inflationszahl vor der Sitzung. Dienstag und Mittwoch tagt die Fed. Was die Woche verändert hat, was unsere beiden Marken jetzt verlangen und was wir am Montag trotzdem tun - genau das klären wir heute.

Was diese Woche wichtig war

Der Arbeitsmarktbericht hat den Münzwurf entschieden.

Wir hatten vergangene Woche 3 Prüfpunkte fürs Hören notiert. Hier sind die Antworten.

Erstens, Headline und Revisionen: 162.000 neue Stellen im August - das Dreifache der Erwartung und mehr als das Fünffache des 12-Monats-Schnitts von 31.000. Und diesmal wurden die Vormonate nicht gekürzt, sondern angehoben: der Juni um 11.000, der Juli um 44.000 - aus dem Juli-Minus von 23.000, das im August die ganze Senkungsdebatte trug, wurde ein Plus von 21.000. Das Muster der Abwärtsrevisionen, das wir seit Mai dokumentieren, ist gebrochen.

Zweitens, die Quote: 4,1 Prozent, unverändert - exakt das Niveau, das Kevin Warsh in Jackson Hole zur Vollbeschäftigung erklärt hat. Die Löhne stiegen 0,3 Prozent zum Vormonat, 3,1 zum Vorjahr. Nichts in diesem Bericht hält die Fed auf.

Drittens, das kurze Ende: Die 2-jährige Rendite sprang zwischenzeitlich auf den höchsten Stand seit Januar 2025 und schloss am Berichtstag 3 Basispunkte höher - der große Sprung war schon in der Warsh-Woche passiert, die Payrolls haben ihn bestätigt statt ausgelöst. Bis Donnerstag summierte sich die Woche auf plus 22 Basispunkte.

Der Terminmarkt übersetzte es unmittelbar: Die September-Wahrscheinlichkeit sprang noch am Berichtstag von 50,4 auf 59,4 Prozent und stieg bis heute früh auf 69,6. Interessanter ist der Dezember: Dort preist der Markt inzwischen 93,5 Prozent für mindestens eine Anhebung - und zum ersten Mal ist das wahrscheinlichste Jahresende nicht mehr eine Anhebung, sondern zwei. 61,9 Prozent der Wahrscheinlichkeitsmasse liegen auf 2 oder mehr Schritten, vor einer Woche waren es 39,5. Der Abstand zwischen September und Dezember schrumpft die zweite Woche in Folge, von 32,1 auf 23,9 Punkte. Aus „früher und sicherer" wird: früher, sicherer - und mehr davon. Eine Senkung steht die vierte Woche in Folge bei 0,0 Prozent, auf jedem Termin bis Oktober 2027.

Der Krieg zielt jetzt auf die Öl-Logistik selbst - und Brent schließt über 100.

Die Eskalation hat diese Woche das Ziel gewechselt. Am Freitag bombardierten die USA 3 iranische Öltanker, am Montag 5 weitere - eine offene Kampagne gegen die Exportflotte, mit der Teheran seinen Krieg finanziert. Iran antwortete am Dienstag mit der größten Angriffswelle auf die Schifffahrt seit Kriegsbeginn: Raketen auf die Luftwaffenbasis al-Azraq in Jordanien, Angriffe auf Schiffe, die aus iranischer Sicht auf „nicht genehmigten Routen" fahren, 3 Schiffe mit US-Verbindung getroffen. Vor der Straße von Hormuz stauten sich zum Wochenstart 42 Tanker, 18 davon mit Öl beladen - zusammen rund 11 Millionen Barrel, die dort liegen statt zu fahren. Die Bilanz seit Kriegsbeginn: 75 angegriffene Schiffe, mindestens 21 tote Seeleute.

Das Ergebnis an unserer Referenzserie: 107,63 Dollar am Donnerstag, plus 12,7 Prozent in einer Woche - der größte Wochensprung unserer Anker-Reihe und der erste Schluss über 100 seit dem 23. Juli. Heute früh notierte der Kontrakt nach einem nächtlichen Hoch von 110,19 wieder um 106. Und OPEC+? Beschloss am Sonntag, die Oktober-Quoten unverändert zu lassen. Das Kartell pausiert, die Kriegsprämie übernimmt.

Für die Einordnung gilt, was wir seit Juli aufschreiben: Konflikte dieser Art liefern Serien, keine Einzelereignisse. Die Entspannung im August hielt eine Woche, die Eskalationsstufe von vergangener Woche hat bereits die nächste geliefert. Die dritte Stufe hätte ein Preisschild Richtung Frühjahrshoch bei 118.

Der Markt hat aufgehört wegzuatmen.

Der S&P 500 fiel an allen 4 Handelstagen dieser Woche - die längste Verlustserie seit Ende Juli - und schloss 2,0 Prozent tiefer, 2,6 Prozent unter seinem Rekord. Seine gleichgewichtete Variante verlor 3,1 Prozent. Das ist die vierte Woche desselben Breite-Musters, aber mit neuem Vorzeichen: Zum ersten Mal fällt die Mehrheit der Aktien schneller als der Index, statt nur langsamer zu steigen.

Der Volatilitätsindex stieg von 14,31 auf 17,85 - ein Viertel in einer Woche - und schloss über seiner 50-Tage-Linie. Das Verhältnis von Verkaufs- zu Kaufoptionen auf Einzelaktien sprang von 0,47 auf 0,60: Der Optionsmarkt beginnt, sich zu versichern. Und ein Detail, das die Woche besser erklärt als jeder Kommentar: Gold fiel am Donnerstag 1,9 Prozent - an einem Tag, an dem Aktien fielen, Öl stieg und die Angst angeblich zurückkam. Wer dahinter steht, was das über den Charakter dieses Rückgangs sagt und was unsere beiden Zins-Marken jetzt verlangen, steht im Pro-Teil.

Cashflow Code Watch-Liste

Indikator

Niveau

Trend

US 10J

4,95 % (Do.)

↑ 52-Wochen-Hoch - 9 Schlusskurse über 4,70

US 30J

5,37 % (Do.)

↑ Jahreshoch, 3 Bp unter der Eskalationsstufe

FedWatch 16. Sep

69,6 %

↑ aus dem Münzwurf wird eine Ansage

Brent (BZ=F)

107,63 $ (Do.)

↑ +12,7 % - erster Schluss über 100 seit Juli

VIX

17,85 (Do.)

↑ ein Viertel höher, über der 50-Tage-Linie

HY-Risikoaufschlag (OAS)

2,71 % (Mi.)

→ +5 Bp, aber ruhig - 79 Bp Abstand

Was Pro-Leser heute zusätzlich bekommen

  • Unsere zweite Marke wurde um 3 Basispunkte verfehlt - und bekommt heute eine harte Definition, bevor sie auslösen kann. Was dann gilt, und was der Zins-Schalter in Woche 2 macht.

  • Die Netto-Shorts der professionellen Fonds standen auch im Krieg - und wurden zum ersten Mal seit 5 Wochen bezahlt. Die Positionierungszahlen, die zur kippenden Breite passen.

  • Der Sparplan kauft am Montag in 4 Verlusttage hinein - warum genau das der Plan ist, an welcher Schwelle er stoppt und was wir ausdrücklich nicht tun.

Der Markt, der vergangene Woche Raketen wegatmete, preist jetzt die schlechte Hälfte der Nachrichten. Wir haben für beide Hälften Regeln - und legen sie offen, bevor die Fed entscheidet.

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