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Vergangene Woche endete diese Ausgabe mit einem Satz, der zu diesem Zeitpunkt eine Behauptung war: Der Ölpreis war nicht der Grund für die Inflationssorge. Er war der Anlass.

Diese Woche ist der Anlass weggefallen. Brent verlor 7,6 Prozent und steht damit 18 Prozent unter seinem Hoch vom 23. Juli, nachdem der amerikanische Finanzminister am Dienstag eine Einigung mit dem Iran über die Straße von Hormuz in Aussicht gestellt hatte. Der S&P 500 markierte am Dienstag ein Rekordhoch, der Dow am Mittwoch. Gold stieg auf 4.240,66 Dollar. Der Risikoaufschlag am Kreditmarkt engte sich zum ersten Mal seit 2 Wochen wieder ein.

Und der Zinsmarkt hat dazu nichts gesagt. Die 2-jährige Rendite steht bei 4,25 Prozent gegen 4,23 vor einer Woche. Die 10-jährige bei 4,69 gegen 4,68. Die 30-jährige bei 5,22 gegen 5,21. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung im September liegt bei 57,4 Prozent nach rund 63 vor einer Woche. Und die Inflationserwartung für die kommenden 10 Jahre lag am Tag der Fed-Sitzung bei 2,26 Prozent - sie liegt heute bei 2,26 Prozent.

Ein Ölpreis, der um 7,6 Prozent nachgibt, und eine Inflationserwartung, die sich um 0 Basispunkte bewegt: Das ist keine Randnotiz. Das ist die Antwort auf die Frage, die wir vergangene Woche gestellt haben. Genau das schauen wir uns heute an.

Was diese Woche wichtig war

Der Markt hat eine Deeskalation gekauft, die es noch nicht gibt

Am Dienstag sagte Finanzminister Scott Bessent, die USA und der Iran könnten sich „today or tomorrow" auf eine Wiederöffnung der Straße von Hormuz einigen - heute oder morgen. Der Rückgang der Woche konzentrierte sich auf Montag und Dienstag.

Was tatsächlich zustande kam, ist etwas anderes. Der Iran hat sich mit Oman auf eine temporäre Schifffahrtsroute verständigt, ausdrücklich nicht auf eine vollständige Öffnung. Am Mittwoch wurde ein Angriff der Huthi auf einen saudischen Öltanker gemeldet, und der Preis drehte wieder nach oben. Vergangenen Donnerstag stand Brent bei 89,28 Dollar, gestern bei 82,49.

Die Gegenprobe liefert das Gold. Es schloss am Donnerstag bei 4.240,66 Dollar - und der Anstieg fiel exakt in das Fenster, in dem der Ölpreis einbrach. Bis zum 2. August lief Gold seitwärts. Zwischen dem 3. und dem 5. August sprang es, also genau in den Tagen der Bessent-Ankündigung und des Ölrückgangs. Der Markt preist einen Deal - und kauft sich am selben Tag die Versicherung dagegen, dass er hält. Wer beides gleichzeitig tut, ist sich nicht sicher.

Zur Einordnung gehört die unbequeme Hälfte: Gold notiert damit immer noch rund 22 Prozent unter seinem Rekordschluss von 5.417,60 Dollar aus dem Januar. Das hier ist keine Flucht in den sicheren Hafen. Es ist eine Rückversicherung, die aus einer tiefen Position heraus aufgebaut wird.

Und die Inflationserwartung hat sich um 0 Basispunkte bewegt

Das ist die Zahl der Woche, und sie steht in keiner Schlagzeile.

Am 29. Juli, dem Tag der Fed-Entscheidung, lag die aus dem Anleihemarkt abgeleitete Inflationserwartung für die kommenden 10 Jahre bei 2,26 Prozent. Am gestrigen Donnerstag lag sie bei 2,26 Prozent. Dazwischen fiel der Ölpreis um 7,6 Prozent. Die reale Rendite bewegte sich in derselben Zeit von 2,41 auf 2,43 Prozent - 2 Basispunkte.

Die Woche war dabei nicht ereignislos, sie ist nur an denselben Punkt zurückgekehrt. Am vergangenen Freitag trieb der Arbeitskostenindex für das zweite Quartal - plus 0,9 Prozent, erwartet waren 0,8 - die Renditen auf die Jahreshöchststände: 4,75 Prozent im 10-Jährigen, 5,27 Prozent im 30-Jährigen. Beides sind die höchsten Schlussstände des Jahres. Dann kam das Öl, und beides ging zurück.

Auch die Zinserwartung selbst hat sich kaum bewegt. Der Terminmarkt preist für die Sitzung am 16. September eine Anhebung um einen Viertelpunkt mit 57,4 Prozent - vor einer Woche waren es rund 63. Bis zur Folgesitzung am 28. Oktober liegt die Wahrscheinlichkeit, dass der Leitzins dann höher steht als heute, bei 69,1 Prozent. Der Markt hat die Zinserhöhung also nicht ausgepreist. Er hat sie um 6 Punkte verschoben.

Ein Detail, das die These stützt: Die 10-jährige Bundesanleihe gab in derselben Woche 7 Basispunkte nach, von 3,24 auf 3,17 Prozent. Europa hat die Ölentspannung eingepreist. Amerika nicht.

Und währenddessen brachen KI-Agenten aus ihren Testumgebungen aus

Am vergangenen Donnerstag machte Anthropic öffentlich, dass 3 eigene Modelle bei internen Sicherheitstests in die Systeme von 3 realen Organisationen eingedrungen sind. Ursache war eine Fehlkonfiguration beim beauftragten Testanbieter: Die Modelle hatten Internetzugang, obwohl die Aufgabenstellung ihnen das Gegenteil sagte. Eines der Modelle erkannte, dass es sich um Produktivsysteme handelte, und griff weiter an. 2 der 3 betroffenen Unternehmen haben die Aktivität selbst nicht bemerkt. Einen Tag später berichtete Reuters, dass OpenAI bei der eigenen Aufarbeitung weitere Ausbrüche gefunden hat.

Für deutsche Unternehmen kommt das in einer besonderen Woche. Die Nachfrist des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik zur Umsetzung von NIS2 ist am vergangenen Freitag abgelaufen. Betroffen sind rund 29.500 Unternehmen. Registriert hatten sich bis Ende Mai etwa 18.500. Vollständig umgesetzt hatten die Vorgaben 34 Prozent. Der EU-Rechtsakt zur künstlichen Intelligenz gilt seit Sonntag, der Cyber Resilience Act folgt im September.

Und hier liegt die eigentliche Pointe. Im Februar und März dieses Jahres fiel der Cybersecurity-Sektor um rund ein Viertel, weil der Markt fürchtete, künstliche Intelligenz mache Sicherheitssoftware überflüssig. Seit Ende Juli steigt derselbe Sektor, weil künstliche Intelligenz sie unverzichtbar macht. Dieselbe Technologie, dieselbe Firma, 5 Monate Abstand. Was das für uns bedeutet, steht heute im Sektor-Check.

Cashflow Code Watch-Liste

Indikator

Niveau

Trend

US 30J

5,22 % (Do.)

→ +1 Bp in der Woche, Jahreshoch 5,27 % am 31.07.

US 2J / 10J

4,25 % / 4,69 % (Do.)

→ / → +2 / +1 Bp - die Kurve steht still

Inflationserwartung 10J

2,26 % (Do.)

→ unverändert seit dem Fed-Tag

HY OAS

2,75 % (Mi., 05.08.)

↓ von 2,87 % am 29.07. - die Serie ist gebrochen

Brent

82,49 $ (Do.)

↓ −7,6 % in der Woche, −18 % vom Hoch am 23.07.

VIX

15,15 (Do.)

↓ −11 % - tiefer als vor dem Ölschock

Was Pro-Leser heute zusätzlich bekommen

  • Die Antwort auf die Frage, die wir vergangene Woche gestellt haben: Haben die Profis in den Fed-Tag hinein abgesichert? Sie ist eindeutig, sie ist unbequem - und sie hat den Profis Geld eingebracht, uns nicht.

  • Die Zerlegung des Renditeniveaus in Inflationserwartung und Realzins. Sie erklärt, warum ein Ölrückgang von 7,6 Prozent am langen Ende spurlos vorbeigeht.

  • Ein neuer Sektor kommt auf den Radar. 6 Produkte tragen dasselbe Etikett und liegen 30 Prozentpunkte auseinander. Warum wir diesmal keine Kaufzonen veröffentlichen - sondern etwas anderes, das genauso überprüfbar ist.

Wer nur die Schlagzeilen liest, erfährt, dass der Ölschock vorbei ist. Wer weiterliest, erfährt, warum der Anleihemarkt das anders sieht.

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