
Vergangene Woche endete diese Ausgabe mit einer Warnung: die Erleichterung anderer Leute nicht mit einer Antwort zu verwechseln. Diese Woche kam eine Antwort - nur nicht von der Seite, von der alle sie erwartet haben.
Der Ölpreis ist zurück. Brent stieg um 5,6 Prozent auf 87,07 Dollar, nachdem die Hormuz-Verhandlungen ins Stocken geraten sind - zwei Drittel des Einbruchs der Vorwoche sind damit wieder aufgeholt. Nach der Logik der vergangenen Wochen hätten die Renditen steigen müssen. Sie fielen. Die 2-jährige um 10 Basispunkte auf 4,15 Prozent, die 10-jährige um 6 auf 4,63. Der S&P 500 schloss am Donnerstag auf Rekord, der VIX auf dem tiefsten Stand seit Januar.
Damit ist der Test komplett, den wir vor 2 Wochen begonnen haben. Ausgabe 28: Öl fällt 7,6 Prozent, die Renditen bewegen sich nicht. Ausgabe 29: Öl steigt 5,6 Prozent - und die Renditen fallen. Zwei Wochen, zwei Richtungen, eine Antwort. Es war nie das Öl. Was die Renditen diese Woche bewegt hat, waren 3 Datenpunkte: minus 23.000 Stellen, ein Verbraucherpreisindex von 0,1 Prozent im Monat und ein Erzeugerpreisindex von 0,0.
Und heute läuft eine Frist ab, die wir uns vor 3 Wochen öffentlich gesetzt haben. Beide Bedingungen für den Neustart des breiten Sparplans haben gehalten. Genau das schauen wir uns heute an.
Was diese Woche wichtig war
Der Ölpreis ist zurück - und diesmal ignoriert ihn der Anleihemarkt in die andere Richtung
Die Deeskalation, die der Markt Anfang August gekauft hat, ist nicht eingetreten. Der Iran erklärte am Wochenende, eine Einigung sei „nah" - die Straße von Hormuz öffne sich davon aber nicht von allein. Am Mittwoch legte der amerikanische Präsident nach, die USA „kontrollierten" die Straße, während Teheran drohte, den Krieg zu „verlängern". Nach dem Lagebild von United Against Nuclear Iran ist die amerikanische Blockade seit dem 14. Juli reaktiviert; seit dem 12. Juli hat kein sanktionierter iranischer Tanker den Golf von Oman verlassen. Von der temporären Route, die den Ölpreis vor 2 Wochen um 7,6 Prozent gedrückt hat, ist wenig übrig - und der Preis hat das nachvollzogen: Brent schloss am Donnerstag bei 87,07 Dollar, 5,6 Prozent über dem Stand der Vorwoche.
Genau hier wird die Woche interessant. Vor 2 Wochen fiel das Öl, und die Renditen rührten sich nicht - das war die halbe Antwort auf unsere Frage, ob der Renditeanstieg eine Ölgeschichte ist. Diese Woche kam die andere Hälfte: Das Öl stieg, und die Renditen fielen. Wenn der Ölpreis der Treiber wäre, müssten beide Bewegungen in dieselbe Richtung zeigen. Sie zeigen in entgegengesetzte.

Der Arbeitsmarkt hat Stellen abgebaut - und der Markt feierte
Am vergangenen Freitag, 3 Stunden nach Versand der letzten Ausgabe, meldete das amerikanische Arbeitsministerium für Juli minus 23.000 Stellen. Erwartet war ein Zuwachs von rund 79.000. Die eigentliche Nachricht steht aber in den Fußnoten: Der Mai wurde um 66.000 nach unten revidiert, der Juni um 37.000 - zusammen sind 103.000 Stellen verschwunden, die in früheren Schlagzeilen standen. Der 12-Monats-Schnitt liegt damit nur noch bei plus 34.000 im Monat.
Die Arbeitslosenquote blieb trotzdem bei 4,1 Prozent „stabil". Das klingt beruhigend und ist es nicht: Die Erwerbsbeteiligung ist seit Januar um 0,7 Punkte auf 61,4 Prozent gefallen. Wer den Arbeitsmarkt verlässt, zählt nicht als arbeitslos. Die Quote ist die Schlagzeile - die Partizipation ist die Geschichte. Die Löhne stiegen um 3,2 Prozent zum Vorjahr.
Und die Reaktion? Der S&P 500 schloss am selben Tag auf einem Rekord. Schlechte Nachrichten sind wieder gute Nachrichten, weil sie die Fed bremsen. Das ist ein Regime, das wir aus 2 Jahren kennen - und es ist zurück.
Der Terminmarkt verschiebt die Anhebung nicht mehr. Er streicht sie.
Der Verbraucherpreisindex am Mittwoch: plus 0,1 Prozent im Monat, 3,4 Prozent zum Vorjahr, Kernrate 2,5 - wie erwartet. Der Erzeugerpreisindex am Donnerstag: unverändert, unter den Erwartungen. Damit kamen 2 zahme Inflationswerte in 2 Tagen zusammen, dazu der Arbeitsmarkt - und der Terminmarkt hat die Konsequenz gezogen. Die Wahrscheinlichkeit einer September-Anhebung fiel von 57,4 auf 32,9 Prozent. Ein unveränderter Leitzins ist für den September erstmals das klare Basisszenario.
In Ausgabe 28 stand an dieser Stelle ein Satz, den wir heute korrigieren: „Der Markt hat die Zinserhöhung nicht ausgepreist. Er hat sie um 6 Punkte verschoben." Das war vor einer Woche richtig - und ist es nicht mehr. Verschieben hieße, die September-Wahrscheinlichkeit fällt und die Oktober-Wahrscheinlichkeit hält. Stattdessen ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass der Leitzins bis Ende Oktober höher steht als heute, von 69,1 auf 47,7 Prozent gefallen - zum ersten Mal unter 50. Vor einem Monat lag sie bei 82. Der Markt verlegt die Anhebung nicht mehr nach hinten. Er streicht sie aus dem Kalender.

Cashflow Code Watch-Liste
Indikator | Niveau | Trend |
|---|---|---|
US 30J | 5,21 % (Do.) | → −1 Bp in der Woche, Wochenhoch 5,25 % am Montag |
US 2J / 10J | 4,15 % / 4,63 % (Do.) | ↓ / ↓ −10 / −6 Bp - das kurze Ende läuft voraus |
Inflationserwartung 10J | 2,26 % (Mi.) | → unverändert - schon wieder |
HY OAS | 2,71 % (Mi., 12.08.) | → −4 Bp, die ganze Woche in einem 2-Bp-Band |
Brent | 87,07 $ (Do.) | ↑ +5,6 % - zwei Drittel des Einbruchs aufgeholt |
VIX | 14,63 (Do.) | ↓ tiefster Stand seit Januar |
Was Pro-Leser heute zusätzlich bekommen
Die Antwort auf die offene Frage der Vorwoche: Diesmal haben die Profis abgesichert - zum ersten Mal seit 3 Wochen, mit der größten Short-Aufstockung des Sommers. Was danach passierte, ist die unbequemste Zahl der Ausgabe.
Unsere Frist läuft heute ab, und beide Bedingungen stehen. Was jetzt mit dem breiten Sparplan konkret passiert: das Instrument, der erste Kauftermin, der Rhythmus - und die eine Bedingung, die ihn wieder stoppt.
Wir starten in die tiefste Sorglosigkeit seit Januar hinein. Drei Anzeigen, alle gedehnt. Warum das kein Widerspruch ist, sondern der Grund, warum es Regeln gibt.
Wer nur die Schlagzeilen liest, erfährt, dass die Inflation zahm war. Wer weiterliest, erfährt, warum der Ölpreis trotzdem zurück ist - und was wir heute deswegen tun.
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