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Letzte Woche stand an dieser Stelle ein Satz, der als nüchterne Beobachtung gemeint war: Der letzte Zweifler wird gerade rausgekauft. Die Absicherung im S&P lag auf einem Mehrjahrestief, der VIX bei 16,72 - und getragen wurde die Ruhe nicht von neuen Käufern, sondern vom Auflösen alter Vorsicht.

Fünf Handelstage später sieht die Welt anders aus. Houthi-Milizen griffen saudische Tanker im Roten Meer an, Brent riss am Donnerstag erstmals seit Mai die 100-Dollar-Marke, die Bundrendite markierte mit 3,20 % ein 15-Jahres-Hoch, und in den USA wird für nächste Woche wieder ernsthaft über eine Zinserhöhung verhandelt. Alphabet und Tesla lieferten Rekordumsätze - und wurden dafür abverkauft. Der Dow verlor zeitweise 600 Punkte.

Das ist kein Anlass für eine Gewinnrunde. Es ist der Kern dieser Ausgabe: Der Schock traf einen Markt, der sich unmittelbar davor selbst entsichert hatte. Und die eigentliche Überraschung ist nicht, dass es knallte - sondern wie leise die Risikomärkte darauf reagieren. Genau das schauen wir uns heute an.

Was diese Woche wichtig war

Öl macht in vier Tagen, wofür Aktien sonst Monate brauchen

Die Chronologie zeigt, wie schnell das ging. Vor der Eskalation am 11./12. Juli stand Brent bei rund 77 Dollar, am Freitag der Vorwoche bei 88 Dollar. Dann kamen die Angriffe auf die Transportwege - Straße von Hormus, Rotes Meer, jetzt Tanker unter saudischer Flagge - und am Donnerstag notierte Brent intraday über 100 Dollar. Schlusskurs: 100,69$. Fünfter Anstiegstag in Folge, in der Spitze gut 30 Prozent über dem Vor-Eskalations-Niveau.

Wichtiger Kontext, den die Schlagzeilen weglassen: 100 Dollar sind kein Neuland. Im Frühjahr, während der ersten Eskalationswelle, notierte Spot-Brent bei gut 118 Dollar. Der Unterschied: Damals war es ein Panik-Spike, der in sich zusammenfiel. Diesmal ist es der vierte Anlauf in zwei Wochen - getragen von einer realen Angebotsstory, denn angegriffen wird die Infrastruktur, über die fossile Energie transportiert wird.

Die Zinsmärkte nehmen es ernst - die Notenbanken auch

Die Rechnung für teures Öl wird am Anleihemarkt geschrieben. Die zehnjährige US-Rendite stieg auf 4,68 % - höchster Stand seit Januar 2025, vierter Anstiegstag in Folge. Die 30-jährige notiert mit 5,13 % nahe dem höchsten Niveau seit 2007. In Europa: Bund 3,20 % (intraday, 15-Jahres-Hoch), Frankreich 4,00 % (höchster Stand seit 2009), Italien 4,04 %. Was steigende Renditen mit Kursen und Bewertungen machen, nehmen wir im Themen-Block auseinander.

Die EZB ließ am Donnerstag alle drei Leitzinsen unverändert, aber Lagardes Wortwahl war deutlich: Die Risiken für den Inflationsausblick lägen „auf der Oberseite", und - bemerkenswert offen - „die volle Inflationswirkung des Energieschocks muss sich erst noch entfalten." Die Tür für September steht sichtbar offen. In den USA ist die Bewegung dramatischer: Für das FOMC nächste Woche preist der Markt bereits eine Anhebungswahrscheinlichkeit von 33 bis 43 Prozent, für September 78 Prozent - nach 61 Prozent in der Vorwoche. Starke Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung (187k) geben der Fed Rückendeckung. Damit steht auch unsere Marke aus der Vorwoche zur Debatte: Ab 4,7 % im Zehnjährigen wird es Gegenwind für die Breite.

Rekordzahlen, abverkauft: das Capex-Beben

Mittwochabend lieferten Alphabet und Tesla Zahlen - und beide wurden bestraft, aus demselben Grund in unterschiedlicher Dosis. Alphabet hat operativ ein herausragendes Quartal abgeliefert: 119,8 Milliarden Dollar Umsatz (+24 %), Cloud +82 %, operatives Ergebnis 40,8 Milliarden (+30 %). Die Aktie: rund 6 % im Minus. Der Grund steht in der Investitionsplanung: 44,9 Milliarden Capex allein im zweiten Quartal - eine Verdopplung zum Vorjahr - und eine Guidance von 195 bis 205 Milliarden für 2026. Für 2027 kursieren bereits Zahlen bis 350 Milliarden.

Eine Warnung an alle, die heute Schlagzeilen lesen: Dort steht „Gewinn +294 %". Diese Zahl ist nicht operativ - im Nettogewinn stecken rund 70 Milliarden an Effekten, die nicht aus dem laufenden Geschäft stammen. Die ehrliche Zahl ist das operative Ergebnis: +30 %. Stark, aber eine völlig andere Geschichte.

Tesla traf es härter: Rekordumsatz von 28,2 Milliarden, operativer Gewinn −57 %, dazu Musks Ansage, 2026 werde ein „massives Capex-Jahr" (Robotaxi, Optimus, Rechenzentren). Die Aktie schloss 12,7 % tiefer. Das Muster dahinter ist die eigentliche Nachricht: Amazon, Alphabet, Meta und Microsoft dürften dieses Jahr zusammen rund 715 Milliarden Dollar investieren - plus 98 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Markt hat diese Ausgaben monatelang als Wachstumsbeweis gefeiert. Diese Woche hat er zum ersten Mal die Rendite-Frage gestellt.

Heute um 15 Uhr erscheint ein Video zu Alphabet und den letzten Zahlen - mit der kompletten Segment-Analyse und meinem Fazit zur Aktie.

Das Video findest du hier → Hier Klicken

Cashflow Code Watch-Liste

Indikator

Niveau

Trend

Brent

100,69 $ (Schluss)

↑ +21 % seit Ausgabe 25

VIX

19,21

↑ +15 % am Donnerstag - und trotzdem unter 20

US 2Y / 10Y

4,26 % / 4,68 %

↑ 10Y direkt an unserer 4,7-%-Marke

HY OAS

2,68 % (Mi.)

→ enger als vor dem Schock - Warnschwelle 3,5 %

SOXX

$551

→ erholt, aber weiter zweistellig unter dem Juni-Hoch

Bund 10J

3,20 % (intraday)

↑ 15-Jahres-Hoch - Frankreich 4,00 %, Italien 4,04 %

Was Pro-Leser heute zusätzlich bekommen

Der Rat aus der letzten Ausgabe - günstig absichern, als niemand Absicherung wollte - hat sich diese Woche bezahlt gemacht. Im Pro-Teil steht heute, warum genau dieses Fenster noch einmal offen ist. Außerdem:

· Ein neuer Sektor kommt auf die Watch-Liste - mit einem konkreten ETF. Name, WKN, meine drei Kaufzonen und die Positionsgröße. So viel vorweg: Es ist kein Öl-Play - und der März hat gezeigt, warum genau das der Punkt ist.

· Der Deep Dive zum Komplazenz-Paradox: warum ein VIX von 19 nach dieser Woche kein Zeichen von Ruhe ist, sondern ein Preisfehler - und die zwei Marken, an denen ich handle.

· Alle vier laufenden Positionen aktualisiert (Absicherung, Halbleiter, Equal-Weight-Kern, Sparplan), dazu die volle Watch-Liste mit Kernszenario je Indikator und die drei Szenarien für die kommenden Wochen.

Wer die Schlagzeilen liest, weiß heute, dass Öl über 100 war. Wer den Pro-Teil liest, weiß, was er morgen deswegen tut.

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