
Vergangene Woche endete diese Ausgabe mit dem Satz, der Rest sei Warten auf 14:30 Uhr. Das Warten ist vorbei - dreimal. Die Verbraucherpreise kamen und beruhigten in der Kernrate. Die Sparplanrate lief am Montag, planmäßig, in die Schwäche hinein. Und am Mittwoch hat die Fed geliefert: plus 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent, die erste Anhebung seit 2023 - einstimmig.
Das Wort verdient einen Moment. Im Juli stimmten 9 von 12 Mitgliedern für Stillhalten, 3 hielten dagegen. Jetzt stimmten alle 12 für die Anhebung, und die neuen Projektionen sagen: genau eine weitere in diesem Jahr, dann Plateau - keine Senkung bis Ende 2027. Aus dem Streit im Ausschuss ist eine Ansage geworden. Der Aktienmarkt verkaufte am Mittwoch zunächst, überlegte es sich am Donnerstag anders und schloss 1,1 Prozent höher. Der Volatilitätsindex fiel 13 Prozent auf 15,45. Die 30-jährige Rendite, die am Dienstag zum zweiten Mal an unserer 5,40-Marke abgedreht hatte, sackte auf 5,29.
Und der Terminmarkt? Der stellt schon die nächste Frage. Für die Sitzung am 28. Oktober steht die Anhebungswahrscheinlichkeit bei 53,1 Prozent. Vor einem Monat waren es 7. Das ist derselbe Münzwurf, den wir aus dem August kennen - nur eine Etage höher. Und für Dezember preist der Markt zu 40 Prozent einen dritten Schritt, den die Projektionen der Fed gar nicht hergeben. Einer von beiden irrt.
Die Fed hat den Streit über die Zinsen nicht beendet. Sie hat ihn terminiert. Was das für unsere beiden Marken heißt, wer diese Erleichterungsrally bezahlt und warum wir trotz allem nichts kaufen - genau das klären wir heute.
Was diese Woche wichtig war
Die Fed liefert - und macht aus der Serie ein Plateau.
Die Entscheidung selbst war zu 69,6 Prozent gepreist, die eigentlichen Nachrichten stehen daneben. Erstens die Einstimmigkeit: 12 zu 0, wo im Juli noch 9 zu 3 fürs Stillhalten standen. Zweitens der Ton. Das Statement nennt die Inflation unverändert „erhöht" und verspricht, die heutige Aktion unterstütze eine „zeitgerechtere Rückkehr" zum 2-Prozent-Ziel. Dann folgt ein Satz, der in seiner Kürze kaum zu überbieten ist: Der Ausschuss werde Preisstabilität liefern. Kevin Warsh legte in der Pressekonferenz nach: Die schlichte Wahrheit sei, dass die Inflation zu hoch ist - und das schon zu lange.
Drittens die Projektionen. Der Median sieht das Zielband Ende 2026 bei 4,1 Prozent - das ist von heute aus genau eine weitere Anhebung, und 16 der 18 Sitzungsteilnehmer tragen mindestens diesen einen Schritt mit. Für Ende 2027 steht derselbe Wert: 4,1. Kein einziger weiterer Schritt, aber auch keine Senkung, 15 Monate lang. Das ist die eigentliche Botschaft dieser Sitzung: kein Zyklus, der immer weiter dreht - ein Plateau. Hoch, und für lange.
Der Terminmarkt hat die Botschaft zur Hälfte angenommen. Für den 28. Oktober preist er die Anhebung mit 53,1 Prozent - vor einem Monat lag die Wahrscheinlichkeit, dass der Leitzins Ende Oktober über dem heutigen Band steht, bei 7,2 Prozent, vor einer Woche bei 27,2. Der Münzwurf, der im August über dem September hing, hängt jetzt über dem Oktober. Bis Dezember preist der Markt zu 88,4 Prozent mindestens den einen Schritt, den die Dots zeigen - so weit die Übereinstimmung. Aber: 40,0 Prozent der Wahrscheinlichkeitsmasse liegen auf 2 weiteren Schritten bis Jahresende. Der Markt hält es also fast für einen Münzwurf, ob die Fed ihrem eigenen Plateau treu bleibt. Eine Senkung preist er weiterhin nirgends - die fünfte Woche in Folge, auf keinem Termin bis Ende 2027.

Die Woche der zwei Enden.
Vergangenen Freitag, zweieinhalb Stunden nach Versand, kamen die Verbraucherpreise - mit 3 Prüfpunkten im Gepäck. Die Antworten: Die Kernrate stieg 0,3 Prozent zum Vormonat - nach unserer eigenen Definition „Beruhigung, nicht Bestätigung der Serie"; zum Vorjahr fiel sie von 2,5 auf 2,4. Die Gesamtrate traf mit 0,4 zum Vormonat und 3,4 zum Vorjahr exakt den Konsens - und über ein Drittel des Monatsanstiegs kam allein vom Benzin. Das Öl steht jetzt in der Inflationsstatistik. Interessanterweise nicht mehr in den Inflationserwartungen: Die 10-Jahres-Breakevens fielen in der Woche 4 Basispunkte auf 2,33. Der Öl-Durchschlag, den wir vergangene Woche notierten, hat sich nicht fortgesetzt.
Und der dritte Prüfpunkt, die 30-Jährige an der 5,40? Sie hat die Marke wieder nicht genommen. Am Berichtstag schloss sie bei 5,35, am Dienstag lief sie mit 5,36 zum zweiten Mal binnen 3 Handelstagen an die Linie heran - und drehte ab. Nach der Fed-Sitzung fiel sie auf 5,29. Die Zählung, die wir vergangene Woche scharf gestellt haben, steht weiter bei 0 von 3.
Bemerkenswert ist, wie unterschiedlich die beiden Enden der Kurve diese Woche gelaufen sind. Die 2-jährige Rendite stieg 11 Basispunkte auf 4,67 - das kurze Ende preist die Anhebung und die nächste gleich mit. Die 30-jährige fiel 8 Basispunkte. Der Abstand zwischen beiden schrumpfte von 81 auf 62 Basispunkte; Mitte August waren es noch 112. Die Schere, deren Schließen wir seit Wochen beschreiben, schließt sich jetzt von beiden Enden gleichzeitig.

Öl: neue Eskalationsstufe, fallender Preis.
Der Krieg hat diese Woche zum ersten Mal die Infrastruktur eines Drittstaats getroffen: Zum Wochenstart wurde Saudi-Arabiens Ost-West-Pipeline beschädigt - die Leitung, über die das Königreich Öl unter Umgehung der Straße von Hormuz ans Rote Meer bringt. Die US-Sorte sprang über 105 Dollar, Saudi-Arabien stornierte zunächst Ladungen. Auf der Eskalationsleiter, in der wir seit Juli rechnen, ist das eine neue Sprosse.
Der Preis honoriert sie nicht mehr. Riad meldete, rund die Hälfte der Kapazität sei binnen Tagen wieder verfügbar, der Rest in etwa 6 Wochen - und routet derweil zusätzliches Öl per Shuttle-Verkehr durch Hormuz, mit Verladung außerhalb der Straße. Unsere Referenzserie schloss am Donnerstag bei 104,82 Dollar: minus 2,6 Prozent - der erste Wochenrückgang der Anker-Reihe seit Ende August, in einer Woche mit einem Angriff, der vor 2 Monaten zweistellige Aufschläge ausgelöst hätte. Der Markt hat gelernt, Angebots-Umwege zu preisen statt Schlagzeilen.
Dazu passt der Rest des Bildes: Der Volatilitätsindex gab seinen kompletten Vorwochenanstieg in einem einzigen Tag ab - minus 12,8 Prozent am Donnerstag auf 15,45, zurück unter die 50-Tage-Linie, nachdem er am Fed-Mittwoch intraday noch fast die 19 gesehen hatte. Das Verhältnis von Verkaufs- zu Kaufoptionen auf Einzelaktien fiel von 0,60 auf 0,52. Die Sorglosigkeit, deren Ende wir vergangene Woche dokumentierten, war nach genau 4 roten Tagen wieder da. Wer in dieser Ruhe wie positioniert ist - und wer diese Rally bezahlt hat -, steht im Pro-Teil.
Cashflow Code Watch-Liste
Indikator | Niveau | Trend |
|---|---|---|
US 10J | 4,94 % (Do.) | ↓ Woche 3 über dem Schalter - Serie 14 |
US 30J | 5,29 % (Do.) | ↓ zweiter Fehlversuch an der 5,40 - Zählung 0 von 3 |
FedWatch 28. Okt | 53,1 % | ↑ der neue Münzwurf, eine Etage höher |
Brent (BZ=F) | 104,82 $ (Do.) | ↓ −2,6 % - erster Wochenrückgang seit Ende August |
VIX | 15,45 (Do.) | ↓ −13 %, unter der 50-Tage-Linie |
HY-Risikoaufschlag (OAS) | 2,70 % (Mi.) | → unbewegt durch Fed-Woche und Pipeline-Angriff |
Was Pro-Leser heute zusätzlich bekommen
Der Schalter geht in Woche 3, und die Fed hat ihm ein Enddatum gebaut - was das Plateau für die Reset-Chance heißt und was bis dahin gilt.
Die professionellen Fonds haben nach ihrer ersten bezahlten Woche nicht Kasse gemacht, sondern das Rekord-Short ausgebaut - die Positionszahlen hinter der Erleichterungsrally, und worauf heute Abend um 21:30 Uhr zu achten ist.
Die Sparplanrate ist gelaufen - Preis, Regel, Zwischenstand. Dazu eine Klarstellung, die wir festschreiben, BEVOR sie gebraucht wird: was unsere Schalter für gezielte Sektorkäufe bedeuten - und was nicht.
Die Fed hat terminiert, nicht entschieden. Wir haben für beide Ausgänge Regeln - und legen sie offen, bevor der nächste Münzwurf fällt.
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