
Vergangene Woche haben wir für den Fall eines Rückschlags ein Abwärtsszenario beschrieben: Der Technologie-Abverkauf erfasst den ganzen Markt. Als Auslöser hatten wir ein angefochtenes Wahlergebnis im Kopf. Gekommen ist der Abverkauf, aber aus dem entgegengesetzten Grund. Das Ergebnis war klar, und genau das hat der Markt verkauft.
Die Demokraten haben bei den Zwischenwahlen am Dienstag beide Kammern des Kongresses gewonnen. Am Mittwoch stiegen die Kurse noch. Am Donnerstag fiel der S&P 500 um 4,4 Prozent, der Nasdaq um 5,5 Prozent. Die Halbleiterwerte hatten ihren schlechtesten Tag seit März 2020.
Unsere beiden Portfolios haben diese Woche so unterschiedlich reagiert wie noch nie. Das Makro-Portfolio liegt zum ersten Mal unter seinem Startwert. Das Cashflow-Portfolio liegt im Plus.
Warum ausgerechnet die Stromnetze getroffen wurden, warum Öl trotz Krieg unter 100 Dollar fiel und warum wir trotzdem nichts verkaufen: Genau das zeigen wir heute.
Unsere zwei Portfolios: Wachstum & Cashflow

Das Makro-Portfolio nach Woche 2. 98.840 Euro, ein Minus von 1,16 Prozent seit dem Start und von 2,29 Prozent in dieser Woche. Verloren haben vor allem die beiden Themen Robotik und Stromnetze mit je rund 10 Prozent sowie die Schwellenländer. Europa und die kurzlaufenden US-Anleihen haben gehalten. Bewertet ist zum Xetra-Schluss am Donnerstag. Der größte Teil des US-Einbruchs kam erst danach und ist in diesen Zahlen noch nicht vollständig enthalten.
Das Cashflow-Portfolio nach Woche 1. 302.889 Euro, ein Plus von 0,96 Prozent. Die Anleihen sind gestiegen, weil die Zinsen gefallen sind. Die europäischen Dividendenzahler und die Immobilien haben zugelegt. Der Puffer reicht für 24 Monatsauszahlungen.
Was diese Woche zeigt. Wir haben das Cashflow-Portfolio nicht gebaut, um das Makro-Portfolio zu schlagen. Es soll zahlen, egal was die Kurse tun. Aber in einer Woche wie dieser sieht man, warum zwei Depots mit zwei Aufgaben mehr sind als eines: Das eine schwankt, damit es wachsen kann. Das andere schwankt weniger, weil es zahlen muss.
Was diese Woche wichtig war
Die Wahl, die den Strom abdreht.
Der Abverkauf begann nicht bei den Chips, sondern bei den Lieferanten der Rechenzentren. Schon am Mittwoch, mitten in der Erleichterungsrally, fielen Vertiv um 9 Prozent, GE Vernova um 8 Prozent und Eaton um 7 Prozent. Der Grund liegt in Texas: Die Demokratin Gina Hinojosa hat dort Gouverneur Greg Abbott geschlagen. Sie hatte einen sofortigen Baustopp für neue Rechenzentren versprochen. In Texas liegen nach Berechnungen von Wells Fargo rund 27 Prozent der geplanten US-Kapazität. Goldman Sachs rechnet mit Auflagen in Texas, Georgia und Michigan, zusammen 45 Prozent der geplanten Kapazität.
Am Donnerstag erreichte die Sorge die ganze Kette. Die Analysten der UBS schätzen, dass rund 30 Prozent der für 2028 erwarteten Rechenzentren auf der Kippe stehen. Der Halbleiter-Index verlor 12 Prozent. Die Stromnetze verloren in der Woche fast 11 Prozent, mehr als doppelt so viel wie der Markt:

Nicht alle teilen die Panik. Die Analysten von Bernstein halten das politische Risiko für übertrieben: Die Betreiber würden höhere Strom- und Netzkosten tragen, aber weiterbauen. Für uns zählt etwas anderes: Der gleichgewichtete S&P 500 verlor in der Woche nur 1,4 Prozent, der klassische 4,7 Prozent. Die Breite fiel mit, aber deutlich weniger.
Was Texas für unsere Portfolios heißt. Im Makro-Portfolio stecken zwei Themen, die direkt am Ausbau von Rechenzentren und Netzen hängen: Stromnetze und Robotik, je rund 5 Prozent. Zusammen haben sie diese Woche gut 1.000 Euro gekostet, fast die Hälfte des Wochenverlusts. Das ist der Preis eines Themas. Wir haben die Gewichte genau deshalb auf 5 Prozent begrenzt. Im Cashflow-Portfolio steckt kein Rechenzentrums-Thema. Dort hat die Wahl sogar geholfen: Die fallenden Zinsen haben die Anleihen steigen lassen. Ob wir im Makro-Portfolio handeln, beantworten wir im Pro-Teil: nein - und wir sagen auch, was uns umstimmen würde.
Zwei Notenbanken, zwei Richtungen - beides hilft unseren Anleihen.
Am Mittwoch, nach der Wahl, rechnete der Terminmarkt noch zu 82,7 Prozent mit einer Zinsanhebung im Dezember. Am Donnerstag waren es 68,4 Prozent. Zwei Anhebungen bis März sah der Markt am Mittwoch noch zu 58,3 Prozent, am Donnerstag nur noch zu 31,7 Prozent:

Die Anleihen sagen dasselbe. Die 2-jährige US-Rendite fiel in einer Woche von 4,61 auf 4,46 Prozent, die 10-jährige von 4,98 auf 4,84 Prozent. Wer Anleihen hat, hat diese Woche verdient.
Ganz anders in London. Die Bank of England ist die Notenbank Großbritanniens, so etwas wie die EZB für das Pfund. Ihr Zinsausschuss mit 9 Mitgliedern legt den Leitzins fest, zu dem sich die britischen Banken bei ihr Geld leihen. Am Donnerstag hat sie diesen Satz von 3,75 auf 4,00 Prozent angehoben, mit 8 zu 1 Stimmen. Die eine Gegenstimme wollte nicht weniger, sondern mehr: eine Anhebung auf 4,25 Prozent. Die Botschaft: Der Kampf gegen die Inflation ist in Europa nicht vorbei. Die EZB hält bei 2,50 Prozent still, obwohl die Inflation im Euroraum bei 3,8 Prozent liegt.
Für unsere Anleihen ist diese Mischung günstig. Solange die Notenbanken in Europa die Zinsen hoch halten oder sogar anheben, bleibt der laufende Ertrag der Anleihen hoch - unsere Zins-Regel im Cashflow-Portfolio rückt in weite Ferne. Und wenn in den USA die Erwartung weiterer Anhebungen fällt, steigen die Kurse der Anleihen, die wir schon haben. Britische Anleihen halten wir nicht. Die Bank of England wirkt bei uns über das Zinsumfeld, nicht direkt.
Öl fällt auf Hoffnung, nicht auf Frieden.
Brent schloss am Donnerstag bei 98,29 Dollar, 11,3 Prozent unter der Vorwoche. Den größten Teil des Rückgangs brachte der Mittwoch. Der Markt setzt darauf, dass ein Kongress unter Führung der Demokraten den Krieg mit dem Iran schneller beendet. Eine Einigung gibt es nicht. Gehandelt wird die Hoffnung.
Der Kreditmarkt war nervöser, als die Kurse am Freitag vor einer Woche zeigten. Der Risikoaufschlag für US-Hochzinsanleihen stieg am 30. Oktober auf 3,44 Prozent, so hoch wie seit unserem Start nicht. Unsere Schwelle liegt bei 3,50 Prozent. Am Mittwoch lag er wieder bei 3,32 Prozent. Die Zählung für unsere Kredit-Regel steht bei null.
Cashflow Code Watch-Liste
Indikator | Niveau | Trend |
|---|---|---|
10J-Rendite (US) | 4,84 % | ↓ von 4,98 |
HY-Risikoaufschlag | 3,32 % (Mi.) | ↑ von 3,14 |
FedWatch Dez.: mind. 1 Anhebung | 68,4 % | ↓ von 75,3 |
VIX | 28,18 | ↑ von 17,20 |
Brent (BZ=F) | 98,29 $ | ↓ −11,3 % |
Gold | 4.089 $ | ↑ +1,6 % |
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