
Vergangene Woche haben wir die Ruhe vor dem Dezember beschrieben. Ein Zinsschritt bis Jahresende war eingepreist, der Oktober galt als erledigt, und wir haben aufgezählt, was nicht im Preis steckt: ein höheres Tempo der Fed, eine Eskalation am Golf, eine schwächere Kreditsaison.
Diese Woche hat an zwei dieser Stellen gerüttelt. Die Verbraucherpreise stiegen im September um 3,7 Prozent zum Vorjahr, die Erzeugerpreise um 6,3 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit einer Anhebung am 28. Oktober stieg von 17,2 auf 27,1 Prozent. Und der Risikoaufschlag für Hochzinsanleihen steht so hoch wie seit Ende März nicht mehr.
Gleichzeitig zeigt der Positionsbericht der Terminaufsicht eine Wette, die in diese Lage passt. Die gehebelten Fonds sind gegen den S&P 500 so stark positioniert wie seit Juni nicht. Die Spekulanten im Nasdaq dagegen sind so stark long wie nie in diesem Jahr. Long Technologie, short den breiten Index.
Wer da wettet, was die Zahl wirklich aussagt, und warum wir genau jetzt einen Teil unseres Robotik-Plans umsetzen: genau das klären wir heute.
Was diese Woche wichtig war
Die Wette gegen den Index.
Am Stichtag 6. Oktober hielten die gehebelten Fonds im E-Mini-Kontrakt auf den S&P 500 eine Netto-Short-Position von 415.087 Kontrakten. In einer Woche kamen 30.368 Shorts dazu, und 12.230 Longs wurden abgebaut. Das ist keine Eindeckung, das ist ein Ausbau. Auch die klassisch erfassten Spekulanten bauten ihre Wette gegen den Index aus, auf minus 154.070 Kontrakte. Der Markt selbst sah das diese Woche anders: Der gleichgewichtete S&P-500-ETF legte von Donnerstag zu Donnerstag 1,5 Prozent zu, der klassische verlor 0,3 Prozent.
Auf der anderen Seite steht der Nasdaq. Dort halten die Spekulanten netto plus 58.123 Kontrakte - der höchste Wert in diesem Jahr. Im August lagen sie noch bei minus 39.302. Die Botschaft ist eindeutig: Gesetzt wird auf die großen Technologiewerte, gewettet wird gegen die Breite.
Zur Einordnung gehört eine Korrektur in eigener Sache. Wir haben die Marke von minus 375.574 Kontrakten aus dem September in den vergangenen Ausgaben als Rekord bezeichnet. Das war sie nur in unserer Reihe, die Ende Juni beginnt. Im Juni lagen die gehebelten Fonds schon bei minus 515.520. Die aktuelle Position ist die größte seit Mitte Juni, kein Rekord. Mehr dazu in „Wo standen wir".

Heiße Preise, ruhige Anleihen.
Die Verbraucherpreise stiegen im September um 0,6 Prozent zum Vormonat und 3,7 Prozent zum Vorjahr. Getrieben hat die Energie: Benzin kostete 9,1 Prozent mehr als im August und 34,2 Prozent mehr als vor einem Jahr. Ohne Energie und Nahrungsmittel lag die Teuerung bei 0,3 Prozent zum Vormonat und 2,6 Prozent zum Vorjahr. Am Donnerstag folgten die Erzeugerpreise mit einem Plus von 1,3 Prozent in einem Monat und 6,3 Prozent zum Vorjahr.
Der Anleihemarkt hat darauf erstaunlich gelassen reagiert. Die 2-jährige Rendite stieg bis Mittwoch auf 4,82 Prozent und schloss am Donnerstag bei 4,77 - 2 Basispunkte über der Vorwoche. Die langen Laufzeiten fielen deutlich. Die 10-jährige schloss am Donnerstag bei 5,10 Prozent, 12 Basispunkte unter der Vorwoche, die 30-jährige bei 5,43 Prozent, minus 17. Der Abstand zwischen 2 und 30 Jahren schrumpfte von 85 auf 66 Basispunkte. Die Inflationserwartung für 10 Jahre stand am Mittwoch, dem Tag der Verbraucherpreise, bei 2,35 Prozent - 1 Basispunkt unter der Vorwoche.
Der Markt liest die Zahlen als Energieschock, der vorübergeht. Die Fed hat ihm am Donnerstag nicht widersprochen. Gouverneurin Bowman sagte, die Notenbank habe genug Zeit, die Entwicklung abzuwarten. Die Präsidentin der Fed von San Francisco, Mary Daly, hält eine weitere Anhebung für wahrscheinlich nötig, sieht aber keine Eile. Für den 28. Oktober rechnet der Terminmarkt jetzt mit 27,1 Prozent für eine Anhebung, vor einer Woche waren es 17,2.
Der Kredit zieht an.
Der Risikoaufschlag für US-Hochzinsanleihen stieg am Mittwoch auf 3,25 Prozent. Das ist der höchste Stand seit dem 31. März und 16 Basispunkte mehr als vor einer Woche. Bis zur Stopp-Schwelle unseres Sparplans bei 3,50 fehlen noch 25 Basispunkte - so wenig wie nie, seit wir die Regel führen.
Die Banken haben diese Woche geliefert, was zu diesem Bild passt. JPMorgan legte im dritten Quartal 2,7 Milliarden Dollar für Kreditausfälle zurück: 2,2 Milliarden für tatsächliche Abschreibungen und 539 Millionen für neue Reserven. Bei Wells Fargo stieg die Risikovorsorge auf 1,03 Milliarden Dollar, nach 914 Millionen im Vorquartal. Das ist kein Bruch im Kreditbuch. Aber die Banken legen wieder etwas auf die Seite, und der Markt verlangt für riskante Schuldner mehr Zins.

Cashflow Code Watch-Liste
Indikator | Niveau | Trend |
|---|---|---|
CoT Gehebelte Fonds (S&P 500) | −415.087 Kt. | ↓ größte Short-Position seit Juni |
CoT Nasdaq Mini (Spekulanten) | +58.123 Kt. | ↑ Jahreshoch |
HY-Risikoaufschlag (OAS) | 3,25 % (Mi.) | ↑ höchster Stand seit März |
Inflationserwartung 10J | 2,35 % (Mi.) | → trotz Verbraucherpreisen von 3,7 % |
FedWatch 28. Okt.: Anhebung | 27,1 % | ↑ von 17,2 |
VIX | 16,74 (Do. abend) | ↑ +8,7 % |
Was Pro-Leser heute zusätzlich bekommen
Die Wette gegen die Breite, durchleuchtet: wer da wirklich short ist, warum ein Teil der Position gar keine Wette auf fallende Kurse ist - und welcher Teil es sehr wohl ist.
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