Letzte Woche habe ich dir erstmals meine Macro-Watchlist präsentiert. Vier Indikatoren, klare Schwellen, klare Szenarien. Meine Sicht war eindeutig: Vorsicht. Die Rally vom Mittwoch war ein Short-Squeeze, keine fundamentale Wende.
Eine Woche später steht der S&P 500 auf einem neuen Allzeithoch bei 7.046 Punkten. Der Nasdaq hat 12 Gewinntage in Folge - somit die längste Serie seit 2009. 15% Plus in 15 Handelstagen, der schnellste Rebound seit April 2020.

NASDAQ ETF (QQQ) in der Tagesansicht mit eine GAP-UP von über 2%
Gleichzeitig: Die USA blockieren seit Montag iranische Häfen mit einer Kampfgruppe um die USS Tripoli. Bloomberg berichtet, dass Diplomaten von einem Deal in frühestens sechs Monaten ausgehen. Zusätzlich ist heute ein großer Optionsverfall (OPEX) an der Wall Street. Monatliche Optionen im Wert von mehreren Billionen Dollar laufen aus, ein großer Teil davon auf den S&P 500. Händler, die ihre Absicherungen glattstellen müssen, stützen den Markt heute mechanisch über der 7.000er-Marke. Kein Narrativ, keine Überzeugung sondern simple Mechanik. Ab Montag fällt diese Stütze jedoch weg.
Irgendetwas stimmt also nicht. Entweder der Markt - oder mein Blick auf die Dinge.
Heute tue ich genau das, wofür die Watchlist da ist. Ich prüfe meine Szenarien mit echten Daten. Das Ergebnis ist weder Entwarnung noch Alarm. Es ist etwas Unbequemeres, nämlich Stille. Und genau das ist das lauteste Signal aktuell.
Los gehts.
Was diese Woche wirklich wichtig war
Seit dem 13. April blockiert die US-Navy iranische Häfen im Persischen Golf. CENTCOM hat sechs Handelsschiffe am ersten Tag zurückgewiesen. Iran droht mit Gegenmaßnahmen im gesamten Persischen Golf, Golf von Oman und Rotem Meer. Das Pentagon plant 10.000 zusätzliche Truppen in der Region.
Die Reaktion der Märkte? Der S&P 500 hat nicht nur die Kriegsverluste aufgeholt, sondern macht neue Rekorde. Der Nasdaq hat 12 Gewinntage in Folge. Die "Magnificent 7" sind seit dem 30. März um 18% gestiegen.
Der Grund: Trump sagt, der Konflikt sei "very close to over". Vance bereitet die zweite Verhandlungsrunde vor. Der Markt wettet darauf, dass die Blockade ein Verhandlungshebel ist, kein dauerhafter Kriegsakt. Möglicherweise hat der Markt inzwischen gelernt, dass Trumps 'Verhandlungshebel' selten so gefährlich sind, wie sie klingen.
Aber: Heute ist OPEX. Allein die auslaufenden S&P-500-Optionen erzeugen mechanischen Kaufdruck, der die Kurse über der 7.000er-Marke hält. Das ist derselbe Effekt, den ich letzte Woche beim Short-Squeeze erklärt habe: Mechanik, nicht Überzeugung. Ab Montag fehlt dieser Stützeffekt. Und dann wird sich zeigen, ob die Rally echte Käufer hat, oder ob sie nur auf Absicherungsflüssen und Hoffnung gebaut war.
Brent bei $94 - der Markt hat ein Gleichgewicht gefunden
Letzte Woche stand Brent bei $94. Heute, eine Woche später: $94.
Das klingt langweilig. Ist es aber nicht. Dazwischen lagen: eine US-Hafenblockade, Verhandlungsgerüchte, Bloomberg-Berichte über einen 6-Monate-Zeithorizont für den Deal, und ein Donnerstag-Spike von +4% auf kurzzeitig $98. Und trotzdem: Der Preis kommt immer wieder auf $94 zurück.
Gleichzeitig ein Datenpunkt, den kaum jemand erwähnt: Die US-Rohöl-Lagerbestände sind letzte Woche um 9,13 Millionen Barrel gefallen - nach sieben Wochen mit Aufbauten. Analysten hatten einen Mini-Aufbau von 154.000 Barrel erwartet. Dieser massive Draw-Down zeigt: Die physische Knappheit wird real. Die EIA prognostiziert Brent bei $115 im zweiten Quartal.
Der Markt absorbiert gerade sowohl positive als auch negative Nachrichten und kehrt immer zum gleichen Level zurück. Das ist selbst ein Signal: Der Markt wartet. Auf den Deal, oder eben auf die Eskalation.
EUR/USD auf 6-Wochen-Hoch - die EZB wird hawkish
EUR/USD steht bei 1,177. Höchster Stand seit vor Kriegsausbruch Ende Februar. Der Markt preist mittlerweile mindestens zwei Zinserhöhungen der EZB bis Jahresende ein.
Was das für dich bedeutet: Wer letzte Woche USD T-Bills wegen der hohen Rendite gekauft hat, trägt ein zunehmendes Währungsrisiko. Bei einem weiteren Dollar-Rückgang auf 1,20 wäre der gesamte Renditevorteil aufgefressen.
Ein Sabotageakt in den Alpen (Süddeutschland lebte von der Reserve)
Wer glaubt, Ölversorgung sei nur ein Problem für den Persischen Golf, sollte sich ansehen, was Ende März direkt vor unserer Haustür passiert ist.
Ein gezielter Anschlag auf die Stromversorgung einer Pumpstation der Transalpinen Pipeline (TAL) in den italienischen Alpen hat die Rohölzufuhr nach Süddeutschland drei Tage lang komplett unterbrochen. Die Miro-Raffinerie bei Karlsruhe, die größte Deutschlands, musste aus ihren Notreserven wirtschaften. Drei volle Tage. Kein Tropfen Rohöl durch die Pipeline.
Die Dimension: Miro deckt statistisch rund 45% des gesamten Primärenergiebedarfs in Baden-Württemberg und versorgt täglich zehn Millionen Menschen mit Kraftstoffen und Heizöl. Auch die Bayernoil-Raffinerien in Bayern mussten den Ausfall aus lokalen Tanklagern überbrücken. Wie lange die Reserven noch gereicht hätten, blieb unklar.
Ob es sich um einen politisch motivierten Anschlag auf kritische Infrastruktur handelt, ist laut Bundesinnenministerium noch Gegenstand der Ermittlungen in Italien. Das BKA steht in Kontakt mit den italienischen Behörden. Die Öffentlichkeit erfuhr davon zunächst fast nichts.
Was das zeigt: Es braucht keine Hormuz-Blockade, um die Energieversorgung in Deutschland zu gefährden. Ein einziger Anschlag auf eine Pumpstation in den Alpen reicht. Die TAL-Pipeline ist 753 Kilometer lang und verbindet den Hafen Triest mit Süddeutschland - eine zentrale Lebensader, von der die meisten Menschen nicht einmal wissen, dass sie existiert. Und genau das ist das Problem.
Die Macro-Watchlist
Indikator 1: Brent Crude - letzte Woche $94, heute $94
Mein Szenario C ("Zähes Hin und Her, $90-105") bestätigt sich - auf den Punkt genau.
Brent pendelt seit dem Waffenstillstand zwischen $89 und $102. Kein Ausbruch nach oben, kein Ausbruch nach unten. Die Fundamentaldaten drücken in beide Richtungen: fallende IEA-Nachfrageprognose vs. massiver Lager-Draw-Down. Das Ergebnis: Gleichgewicht bei hoher Volatilität.
Was jetzt wichtig wird: Der Bruch der $90-Marke nach unten wäre das erste echte Signal für Normalisierung. Ein nachhaltiger Ausbruch über $100 wäre das Eskalations-Signal. Solange wir dazwischen pendeln, bleibt die Inflation erhöht und die Fed blockiert.

BRENT Chart in der Tagesansicht
Mein Blick: $94 ist kein Normalzustand. Es ist eine Pattsituation, die sich auflösen wird - in die eine oder andere Richtung. Die Waffenruhe läuft am 22. April aus. Nächste Woche wird entscheidend.
Indikator 2: DXY Dollar Index - letzte Woche 98,44, heute 98,18
Der Dollar hat sich kaum bewegt - und genau das ist bemerkenswert.
In einer "normalen" Krise bekommt der Dollar den "War Bid" - er wird zum sicheren Hafen. Diesmal nicht. Der DXY steht auf dem niedrigsten Niveau seit Ende Februar, knapp über der 98er-Marke.
Warum? Der Markt preist ein: Die Blockade ist kein Kriegsakt, sondern Druckmittel. Kapital fließt langsam zurück in Euro und Emerging-Market-Währungen. Aber der Rückgang ist nicht dynamisch, es fehlt die Überzeugung für eine echte Risk-on-Bewegung.

DXY Chart im YTD Zeitraum mit einer klar erkennbaren Beruhigung
Was jetzt wichtig wird: Ein Bruch unter 97 wäre die Bestätigung für "Krise ist vorbei". Ein Rückprall über 99 wäre ein Warnsignal. Aktuell: Niemandsland.
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Indikator 3 ist die US-Zinskurve - und sie hat etwas getan, das trotz heißem CPI von 3,3% eigentlich unmöglich sein sollte.
Indikator 4 ist der ICE BofA US High Yield OAS - der Stress-Indikator, den institutionelle Anleger täglich beobachten. Er liegt aktuell bei einem Wert, der meine Aufmerksamkeit erzeugt.
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