
Vergangene Woche haben wir das Hellermann Makro-Portfolio gestartet und euch danach zwei Fragen geschickt. Viele von euch haben geantwortet. 90% wollen ein zweites, offen geführtes Depot für den Ruhestand mitverfolgen. Niemand hat Nein gesagt. Viele von euch sind auch schon im Ruhestand oder weniger als 5 Jahre davon entfernt.
Am meisten gelernt haben wir aus euren Kommentaren. Mehrere von euch schrieben sinngemäß dasselbe: Ich bin nicht darauf angewiesen, Geld aus dem Depot zu nehmen, die Rente trägt. Aber ein Zusatz aus Ausschüttungen wäre gut. Einer brachte es auf den Punkt: Das Depot wird im Ruhestand geführt wie die Jahrzehnte davor, nur die Ausschüttungen kommen dazu.
Ihr wolltet also keine Entnahme-Maschine, sondern Cashflow. Drei Töpfe statt einer Wette. Einen Puffer, der zwei Jahre trägt. Und die Hälfte von euch hat sich für dasselbe Szenario entschieden: 300.000 Euro, 1.000 Euro im Monat.
Wie wir dieses Depot bauen, warum dafür nichts verkauft wird und warum Anleihen gerade mehr Gewicht bekommen als üblich: Genau das zeigen wir heute.
Unsere zwei Portfolios: Wachstum & Cashflow

Das Makro-Portfolio nach Woche 1. 101.152 Euro, ein Plus von 1,15 Prozent seit dem Start. Alle Positionen liegen innerhalb ihrer Bandbreite, nichts musste geändert werden. Vorn liegen die Themen Robotik und Stromnetze mit je 4,5 Prozent. Hinten liegen nur die Rohstoffe mit minus 0,4 Prozent, weil Öl in der Woche nachgab.
Das Cashflow-Portfolio startet heute. 300.000 Euro fiktives Startkapital, gekauft zu den Schlusskursen vom Donnerstag. Neun ETFs aus drei Töpfen - Anleihen, Dividenden und Optionsprämien -, dazu ein Tagesgeld-Puffer für 24 Monate. Auf Basis der Ausschüttungen der letzten 12 Monate erwarten wir rund 1.034 Euro im Monat vor Steuern. Das Depot lebt von Ausschüttungen und Zinsen. Für die monatlichen 1.000 Euro wird nie ein Anteil verkauft.
Was die beiden verbindet. Das Makro-Portfolio soll wachsen und Rücksetzer nutzen. Das Cashflow-Portfolio soll zahlen, egal was die Kurse tun. Wer im Berufsleben steht, findet sich eher links wieder, wer im Ruhestand ist, eher rechts. Viele von euch brauchen beides. Ab heute zeigen wir jeden Freitag beide - und am ersten Freitag im Monat, woher der Cashflow im Vormonat kam.
Was diese Woche wichtig war
Der Index fällt, die Mehrheit steigt.
Die großen Technologiewerte haben geliefert, aber nicht das, was der Markt hören wollte. Alphabet verfehlte die Erwartungen bei Umsatz und Gewinn, das Wachstum der Suchwerbung ließ nach. Die Aktie verlor am Donnerstag rund 12 Prozent. Microsoft übertraf die Erwartungen, das Cloud-Geschäft Azure wuchs um 48 Prozent, und trotzdem gab die Aktie nach. Amazon meldete nach Börsenschluss einen Gewinn je Aktie von 1,89 Dollar statt der erwarteten 1,97 und Investitionen von rund 220 Milliarden Dollar für 2026. Die Aktie fiel nachbörslich weiter.
Der S&P 500 schloss den Donnerstag mit minus 0,3 Prozent, der Nasdaq mit minus 1,4 Prozent. Der gleichgewichtete S&P 500 stieg dagegen um 1,2 Prozent:

Seit dem 7. Oktober, dem Rekord der Konzentration, liegt der gleichgewichtete Index 4,5 Prozent im Plus, der klassische 1,0 Prozent im Minus. Der Abstand ist in drei Wochen auf 5,5 Punkte gewachsen. Für uns ist das keine Entwarnung für Technologie, sondern eine Bestätigung der Gewichtung: Genau deshalb steckt der US-Anteil im Makro-Portfolio im gleichgewichteten ETF.
Zwei Stimmen für eine Anhebung - und der Markt rechnet mit weniger.
Die Fed hat am Mittwoch den Leitzins bei 3,75 bis 4,00 Prozent belassen. Zwei Mitglieder stimmten dagegen, sie wollten anheben. Fed-Chef Kevin Warsh legte sich für Dezember nicht fest. Am Donnerstag folgten die Daten: Die US-Wirtschaft wuchs im dritten Quartal um 3,4 Prozent aufs Jahr gerechnet, mehr als erwartet. Die Inflation nach dem Maß der Fed stieg im September auf 3,6 Prozent.
Man hätte erwarten können, dass der Terminmarkt nun fester auf eine Anhebung setzt. Das Gegenteil ist passiert:

Eine Anhebung im Dezember gilt noch zu 75,3 Prozent als wahrscheinlich, am Fed-Tag waren es 85,1. Zwei Anhebungen bis März sieht der Markt nur noch zu 54,0 Prozent, nach 71,3 am Mittwoch. Die Anleihen sagen dasselbe: Die 2-jährige US-Rendite fiel seit vergangenem Freitag von 4,69 auf 4,61 Prozent. Die Fed klingt härter, der Markt glaubt ihr weniger.
Der Kreditmarkt gibt Entwarnung, die EZB wartet.
Der Risikoaufschlag für US-Hochzinsanleihen ist von Mittwoch zu Mittwoch von 3,27 auf 3,14 Prozent gefallen, am Tag unseres Starts lag er noch bei 3,40. Das ist die wichtigste Zahl für unser Makro-Portfolio: Erst 3 Schlusskurse in Folge über 3,50 würden die Themen-ETFs halbieren. Davon sind wir weiter entfernt als beim Start.
Die EZB hat am Donnerstag den Einlagesatz bei 2,50 Prozent belassen, obwohl die Inflation im Euroraum bei 3,8 Prozent liegt. Für beide Portfolios heißt das: Das Tagesgeld bleibt bei 2,50 Prozent verzinst. Brent schloss am Donnerstag bei 110,80 Dollar, 2,1 Prozent unter der Vorwoche. Entspannung ist das nicht, aber auch keine neue Eskalation.
Cashflow Code Watch-Liste
Indikator | Niveau | Trend |
|---|---|---|
10J-Rendite (US) | 4,98 % | → Vorwoche 4,96 |
HY-Risikoaufschlag | 3,14 % (Mi.) | ↓ von 3,27 |
FedWatch Dez.: mind. 1 Anhebung | 75,3 % | ↓ von 80,5 |
VIX | 17,20 | ↓ von 19,03 |
Brent (BZ=F) | 110,80 $ | ↓ −2,1 % |
EZB-Einlagesatz | 2,50 % | → unverändert |
Was Pro-Leser heute zusätzlich bekommen
Das komplette Cashflow-Portfolio: alle 9 ETFs mit WKN, Stückzahl und Startkurs, dazu für jeden Baustein, wie viel er im Monat beiträgt - und warum Anleihen gerade 37 Prozent bekommen.
Das Makro-Portfolio nach Woche 1, Position für Position: welche Bausteine vorn liegen und was die Prüfung zum Monatsende ergibt.
Die Lektion der Woche: Zusatzrente aus Ausschüttungen oder Entnahmeplan - welcher Weg im Crash den Unterschied macht und wo er steuerlich etwas kostet.
Zwei Portfolios, alle Zahlen offen. Wie sie gebaut sind, sehen Pro-Leser heute zuerst.
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