
Letzte Woche haben wir gefragt: Wenn alle bullish sind und ihr Cash schon investiert ist - wer soll dann noch kaufen? Eine Woche später gibt der Markt eine unbequeme Antwort. Er kaufte nicht weiter. Er stand einfach still.
Der S&P 500 bspw. hängt seit Tagen im selben Prozentband, der gleichgewichtete Index dümpelt an seinem Hoch, der VIX schläft. Auf den ersten Blick: Ruhe. Auf den zweiten Blick passiert unter der Oberfläche etwas, das mich mehr interessiert als jeder Tagesschluss. Die großen Terminspekulanten haben ihre Absicherung im S&P auf ein Mehrjahrestief abgebaut. Privatanleger kaufen keine Einzelaktien mehr, sondern schichten stur in den Index. Und die Aktien-zu-Aktien-Korrelation ist auf ein Niveau gesprungen, das es in vierzig Jahren nur eine Handvoll Mal gab.
Anders gesagt: Der letzte Zweifler wird gerade rausgekauft. Genau das machen wir heute.
Was diese Woche wichtig war
Verkauft am Tief, und jetzt kauft sich der letzte Short ein
Der Markt ging diese Woche nirgendwohin, und das fühlt sich nach Pause an. Ist es aber nicht. Ein Index, der auf der Stelle tritt, während gleichzeitig Rekordsummen umgeschichtet werden, ist kein ruhiger Markt - er ist ein Markt, in dem die neuen Käufer fehlen. Am deutlichsten sieht man das in den Terminmärkten: Die Short-Seite der großen Spekulanten im S&P ist von über 480.000 Kontrakten Anfang Juni auf 287.000 zusammengeschmolzen, während die Long-Seite stabil bei rund 243.000 liegt. Es kauft niemand Neues - es deckt sich nur der letzte Absicherer ein.

Wer diese Woche als „die Rally geht weiter" liest, übersieht, wer sie trägt. Nicht neues Geld. Sondern das Auflösen alter Vorsicht. Das ist ein Unterschied, der später teuer werden kann.
Nicht alle sind gleich positioniert - und das ist der Clou
Jetzt kommt der Teil, der die bequeme „alle sorglos"-Erzählung bricht. Denn die Absicherung wurde nur im breiten S&P abgebaut. Rechnet man dieselbe Positionierung für den tech-lastigen Nasdaq-100 und die Small Caps im Russell 2000, ergibt sich das Gegenteil: Dort stehen die Profis vorsichtig - im Nasdaq sogar so nah an ihrer maximalen Short-Aufstellung wie kaum je in drei Jahren.

Auf dem Schaufenster-Index wird entsichert, in den riskanteren Ecken wird abgesichert. Genau diese Spreizung - zusammen mit einer Aktien-zu-Aktien-Korrelation auf 40-Jahres-Extrem - ist das Bild einer Rotation, nicht einer Euphorie. Das große Geld nimmt Risiko aus den überfüllten Namen und lässt den breiten Markt laufen.
Retail versteckt sich im Index - und verkauft trotzdem nicht
Die dritte Beobachtung schließt den Kreis. Die Netto-Käufe von Einzelaktien durch Privatanleger sind auf ein Nach-Corona-Tief gefallen. Der naheliegende Schluss wäre: Retail steigt aus. Falsch. Retail verkauft nicht - es kauft nur keine Einzelnamen mehr, sondern schiebt das Geld stumpf in den breiten Index und in ETFs. Wer den Index kauft, kauft jede Aktie gleichzeitig - und treibt damit die Gleichlauf-Bewegung weiter. Der Privatanleger glaubt, er diversifiziert. In Wahrheit macht er den Markt korrelierter und fragiler, nicht robuster.
Cashflow Code Watch-Liste
Indikator | Niveau | Trend |
|---|---|---|
S&P 500 Netto-Position (Spekulanten) | −44.000 Kt. (76. Perzentil) | ↑ Short auf Mehrjahrestief - kaum Gegenwehr |
Nasdaq-100 Netto-Position | −9.000 Kt. (6. Perzentil) | ↓ so vorsichtig wie selten |
SOXX | $530 | ↓ tief, −20 % unter Hoch |
VIX | 16,72 | ↓ Sorglosigkeit trotz Rekord-Positionierung |
US 10Y | 4,47 % | → schleicht Richtung 4,7 % |
HY OAS | 2,71 % | → Kredit ruhig, Warnschwelle 3,5 % |
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