
Vergangene Woche haben wir eine Regel präzisiert, bevor sie gebraucht wurde: 3 aufeinanderfolgende Schlusskurse strikt über 5,40, und bei Auslösung ein Signal, keine Depot-Aktion. Sie wurde gebraucht. Freitag 5,49, Montag 5,56 - am 28. September war die Marke gefallen. Seither hat die 30-jährige US-Rendite keinen Tag mehr darunter geschlossen.
Das allein wäre eine Zinsgeschichte wie die der Vorwochen. Bemerkenswert ist, was gleichzeitig passierte. Das Inflationsmaß der Fed fiel kühler aus als erwartet, die Industriestimmung lag unter der Prognose, und der Terminmarkt hat daraus binnen einer Woche gut eine halbe Zinserhöhung ausgepreist. Die Wahrscheinlichkeit einer Anhebung im Oktober fiel von 68,6 auf 27,7 Prozent. Die 2-jährige Rendite gab nach. Die 30-jährige stieg weiter.
Wenn die Inflation abkühlt und die Fed-Erwartung sinkt, aber das lange Ende trotzdem steigt, dann kommt die Hitze nicht von dort, wo man sie üblicherweise sucht. Woher sie kommt, warum der Kreditmarkt diese Woche zum ersten Mal reagiert hat, was das für das Geld auf dem Tagesgeldkonto heißt - und warum man bei einem Robotik-ETF zuerst das Kleingedruckte lesen sollte: genau das klären wir heute.
Was diese Woche wichtig war
Die Marke ist gefallen.
Die Zahlen, jeweils zum Handelsschluss: Die 30-jährige Rendite stieg von 5,47 auf 5,61 Prozent, am Mittwoch lag sie bei 5,64. Die Zählung lief exakt nach der Regel: Donnerstag 5,47 (1 von 3), Freitag 5,49 (2 von 3), Montag 5,56 (3 von 3). Seither folgten 5,59, 5,64 und 5,61 - sechs Schlüsse in Folge über der Linie. Die 10-jährige Rendite stieg um 6 Basispunkte auf 5,24, am Mittwoch lag sie bei 5,29.
Das eigentliche Signal steht am anderen Ende. Die 2-jährige Rendite, die am stärksten an der Fed hängt, fiel von 4,87 auf 4,78. Der Abstand zwischen 2 und 30 Jahren wuchs damit in einer Woche von 60 auf 83 Basispunkte. Vor einer Woche hat sich die ganze Kurve nach oben verschoben, das kurze Ende im Gleichschritt mit dem langen. Diese Woche laufen die Enden auseinander. Fachleute sprechen von einer bärischen Versteilung: Das lange Ende steigt, obwohl das kurze fällt.
Was die Auslösung für unser Regelwerk bedeutet, ist seit vergangener Woche festgeschrieben. Die Marke ist ein Signal, keine Depot-Aktion: nichts verkaufen, nichts aufstocken, was am breiten US-Aktienmarkt hängt, der Sparplan läuft mit seinem eigenen Stopp weiter. Wir haben die Konsequenz vor dem Ergebnis veröffentlicht, deshalb gibt es heute nichts nachzuverhandeln.

Die Fed-Wetten halbieren sich.
Am Mittwoch kam das Inflationsmaß der Fed für August: Der Kernpreisindex der persönlichen Konsumausgaben stieg um 0,2 Prozent zum Vormonat und lag 3,0 Prozent über dem Vorjahr - deutlich unter den Erwartungen. Die Gesamtrate lag bei 3,4 Prozent. Am Donnerstag folgte der Einkaufsmanagerindex der Industrie mit 54,5 Punkten, leicht unter der Prognose. Das ist weiter klares Wachstum, aber nicht mehr der Rausch der Vorwoche, als die vorläufigen Stimmungsindizes auf 5-Jahres-Hochs sprangen.
Der Terminmarkt hat schnell umgebucht. Die Wahrscheinlichkeit einer Anhebung am 28. Oktober fiel von 68,6 auf 27,7 Prozent. Für Dezember lagen vergangene Woche 58,5 Prozent auf 2 weiteren Schritten, jetzt sind es 20,3. Die wahrscheinlichste Variante ist wieder genau ein weiterer Schritt bis Jahresende, mit 60,4 Prozent - das ist exakt das, was die Projektionen der Fed hergeben. Für Januar fiel die Wahrscheinlichkeit von mindestens 2 weiteren Schritten von 75,0 auf 42,4 Prozent.
Vergangene Woche schrieben wir, die Daten hätten den Markt weiter von der Fed weggetragen. Diese Woche haben sie ihn zurückgetragen. Der Terminmarkt ist wieder bei den Dots. Nur das lange Ende ist nicht mitgekommen.

Der Kredit wacht auf - der Optionsmarkt nicht.
Seit dem Sommer schreiben wir an dieser Stelle, dass der Kreditmarkt zuschaut. Diese Woche hat er sich bewegt. Der Risikoaufschlag für US-Hochzinsanleihen stieg von Mittwoch zu Mittwoch von 2,73 auf 3,12 Prozent - 39 Basispunkte, an jedem einzelnen Handelstag ein Stück. Bis zur Warnschwelle unseres Sparplans bei 3,50 sind es noch 38 Basispunkte. Vor einer Woche waren es 77.
Der Aktienmarkt hat das zur Kenntnis genommen, mehr nicht. Der große S&P-500-ETF gab in der Woche 0,4 Prozent nach, die gleichgewichtete Variante 0,6 Prozent. Der Volatilitätsindex stieg um 4,5 Prozent auf 16,38 - weiter deutlich unter seinem 200-Tage-Schnitt. Das Verhältnis von Verkaufs- zu Kaufoptionen auf Einzelaktien lag bei 0,57, praktisch unverändert. Wer nur auf die Angstindikatoren schaut, sieht wieder eine ruhige Woche. Wer auf den Kreditmarkt schaut, sieht die erste Woche seit Monaten, in der jemand für Risiko einen höheren Preis verlangt.
Gold passt ins Bild: Die Unze fiel 2,3 Prozent auf 4.177,42 Dollar (3.715,55 Euro). Der reale Zins ist in der Woche gestiegen, und das ist der Preis, den Gold seit Wochen handelt. Wo die Hitze am langen Ende herkommt, wer am Terminmarkt wieder gegen den Index steht und warum kurze Anleihen gerade jetzt für das Sicherheitspolster interessant werden, steht im Pro-Teil.
Cashflow Code Watch-Liste
Indikator | Niveau | Trend |
|---|---|---|
US 30J | 5,61 % (Do.) | ↑ Marke 5,40 ausgelöst am 28.09. |
US 2J | 4,78 % (Do.) | ↓ das kurze Ende gibt nach |
FedWatch 28. Okt: Anhebung | 27,7 % | ↓ von 68,6 |
HY-Risikoaufschlag (OAS) | 3,12 % (Mi.) | ↑ +39 Bp - der Kredit wacht auf |
VIX | 16,38 (Do.) | → +4,5 %, weiter unter 17 |
Brent (BZ=F) | 102,31 $ (Do.) | ↓ −4,0 % in der Woche, aber Do +4,4 % (dritter US-Träger) |
Was Pro-Leser heute zusätzlich bekommen
Das Anleihen-Handbuch, Teil 2: Wann es sinnvoll ist, einen Teil des Sicherheitspolsters vom Tagesgeld in kurze Staatsanleihen umzuschichten - in Euro oder in Dollar, mit allen Haken. Und warum wir den angekündigten Baustein mit längerer Laufzeit nicht bauen.
Sektor-Check Robotik: Vier ETFs tragen das Wort im Namen, aber nur einer kauft hauptsächlich Maschinen. Fünf Prüffragen für jeden Themen-ETF - und ein Zonenplan für den, der den Namen verdient.
Die 3 Prüfpunkte zum Positionsbericht sind aufgelöst - und einer davon zwingt uns, eine Aussage der Vorwoche zu korrigieren.
Wenn das lange Ende steigt, obwohl die Inflation abkühlt, ist das keine Zinsgeschichte mehr, sondern eine Preisgeschichte für Zeit. Wer sie nicht bezahlen will, findet die Antwort im kurzen Laufzeitbereich.
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