Was für eine Woche. Ich schreibe diese Zeilen am Freitagnachmittag, während sich der Nebel um die angebliche Waffenruhe mit Iran lichtet und wie im letzten Video gesagt, zeigt sich das Bild anders als am Mittwoch.
Am Mittwoch feierten die Märkte. Dow +1.325 Punkte. Öl -16%. Lufthansa +10%. Schlagzeilen sprachen von "Relief Rally", "Befreiungsschlag" oder dem “Durchbruch".
Heute, zwei Tage später: Brent wieder bei $94. In den ersten 24 Stunden der Waffenruhe durchquerte genau ein einziger Öltanker die Straße von Hormuz. Die US-Inflationsdaten für März kamen heute Mittag ebenso, und war mit 3,3% die höchste Rate seit Mai 2024. Und die US-Notenbank muss ihre gesamte Zinspolitik neu denken.
Ich habe dir diese Woche versprochen, dass Mechanik wichtiger ist als Narrativ. Heute zeige ich dir, warum das keine abstrakte Analyse ist, sondern die wichtigste Lektion für deine Positionierung in 2026.
Außerdem bekommst du heute erstmals meine neue Macro-Watchlist zu sehen. Vier Indikatoren, die ich in der kommenden Woche aktiv beobachte. Zwei davon findest du im kostenlosen Teil. Alle vier bekommst du als PRO-Abonnent.
Los geht's.
Was diese Woche wirklich wichtig war
Alle feierten die Waffenruhe. Es war aber nur ein Short Squeeze.
Mittwoch, 8. April. Der Dow springt 1.325 Punkte - der stärkste Handelstag seit April 2025. Der S&P 500 legt 2,51% zu. Öl stürzt 16% ab. Die Schlagzeilen weltweit erklären es einfach: "Trump setzt Iran-Angriffe aus, Märkte atmen auf."
Nur war das nicht der Grund.
Goldman Sachs hatte nur eine Woche vorher gemeldet, dass ihre Prime-Brokerage-Kunden globale Aktien vier Monate in Folge verkauft hatten – im schnellsten Tempo seit 13 Jahren. Die Short-Positionen erreichten den höchsten Stand seit der Pandemie. Fundamentale Long/Short-Hedgefonds verloren im März durchschnittlich 3,96% - ihren schlechtesten Monat seit Januar 2022. TMT-Strategien lagen im Quartal bei -11,8%*.
Quelle: Reuters/Goldman Sachs Prime Brokerage Report*
Diese Hedgefonds waren extrem short positioniert. Als Trump die Waffenruhe verkündete, mussten sie zwangsläufig ihre Short-Positionen glattstellen. Sie mussten kaufen - nicht weil sie an Frieden glaubten, sondern weil ihre Verluste sie dazu zwangen. Das ist ein klassischer Short Squeeze. Kein Relief-Rally.
Der Beweis kam gestern und heute: BRENT ist bereits wieder bei $94, die US-Iran-Delegationen werfen sich gegenseitig Verstöße gegen die Waffenruhe vor, und genau ein Öltanker hat in den ersten 24 Stunden die Straße von Hormuz passiert. Die Rally war mechanisch, nicht fundamental.
Ich habe dazu heute Vormittag ein Video veröffentlicht, das die komplette Mechanik im Detail erklärt:
Die CPI-Bombe: 3,3% - und warum das die Fed zerreißt
Heute um 14:30 deutscher Zeit kamen die US-Inflationsdaten für den März. Das Ergebnis:
Headline CPI: +0,9% MoM, +3,3% YoY
Energiepreise: +10,9% im März
Das ist die höchste Jahresrate seit Mai 2024 - ein Sprung um fast einen vollen Prozentpunkt gegenüber Februar (2,4%)
Laut Pantheon Economics war der März der größte Monatsanstieg bei Treibstoffkosten seit mindestens 1957. Fast 70 Jahre. Oxford Economics rechnet bereits mit einem Headline CPI von über 4% für April.
Was das bedeutet: Die Fed ist in einer Falle. Noch vor zwei Tagen, nach dem Mittwochs-Crash bei Crude, sprang die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinssenkung bis Jahresende auf über 43%. Jetzt, mit heißen CPI-Daten und wieder steigendem Ölpreis, kippt diese Erwartung. Viele Ökonomen streichen die geplante Zinssenkung für 2026 bereits komplett aus ihren Prognosen.
Die Fed kann nicht senken, wenn die Inflation Richtung 4% läuft. Sie kann aber auch nicht hart bleiben, wenn die Wirtschaft durch den Ölpreis-Schock abgewürgt wird. Das ist klassische Stagflations-Gefahr. Und es ist der Grund, warum kurzfristige T-Bills gerade so wichtig geworden sind - dazu aber gleich mehr.
Die Waffenruhe bröckelt. Und niemand spricht darüber.
Während Mainstream-Medien am Mittwoch den "historischen Deal" feierten, zeigte die Realität seit Donnerstag ein anderes Bild:
In den ersten 24 Stunden der Waffenruhe durchquerte ein einziger Öltanker die Straße von Hormuz. Vor dem Krieg waren es dutzende pro Tag.
US und Iran werfen sich gegenseitig Verstöße gegen die Waffenruhe vor.
Saudi-Arabien meldet, dass Angriffe auf seine Öl-Infrastruktur die Produktionskapazität um rund 600.000 Barrel pro Tag reduziert haben. Die East-West-Pipeline, die als Umgehung der Straße von Hormuz dient, wurde ebenfalls getroffen. Fazit: ein minus von 700.000 Barrel pro Tag.
Iran soll überlegen, Transitgebühren für Schiffe durch die Straße von Hormuz in Yuan zu verlangen. Das wäre eine direkte Attacke auf das Petrodollar-System.
Crude hat auf all das reagiert: Von $89 am Mittwoch zurück auf über $96 am Donnerstag. Die Aktien-Rally vom Mittwoch hat sich als das entpuppt, was sie immer war - eine technische Positionsauflösung, keine fundamentale Wende.

Crude Oil Preischart im 2H Chart
Die Realwirtschaft zahlt die Rechnung
Während die Finanzmärkte noch über die Kursbewegungen debattieren, kommen die realen Kosten bereits an. Delta Air Lines kündigte am Mittwoch an, dass sie allein in diesem Quartal 2 Milliarden Dollar mehr für Treibstoff ausgeben müssen als geplant - und kürzen somit ihre Wachstumspläne. Exxon meldete, dass etwa 6% ihrer globalen Produktion durch den Krieg ausgefallen sind. Jet-Fuel-Preise haben sich seit dem 28. Februar fast verdoppelt.

Jet Fuel Price Entwicklung | Quelle
Das ist die zweite Ebene, die Schlagzeilen verpassen. Eine zweiwöchige Waffenruhe löscht nicht die Schäden, die bereits entstanden sind. Verträge wurden gebrochen, Lieferketten umgeleitet, Margen zerstört. Diese Effekte wirken sich in den kommenden zwei bis drei Quartalen auf die Unternehmensgewinne aus - völlig unabhängig davon, was der Ölpreis nächste Woche macht.
Der risikolose Hafen, den kaum jemand versteht
Wenn du nur eine Erkenntnis aus diesem Newsletter mitnimmst, dann bitte diese hier:
“Frisches Cash gehört in dem aktuellen Umfeld in kurzfristige Anleihen oder ins Tagesgeld.”
Egal ob Crude steigt, fällt oder stagniert. Die Argumentation ist simpel: Die erwartete Rendite kurzfristiger Aktien-Positionen rechtfertigt das Risiko schlichtweg nicht, wenn kurzfristige Staatsanleihen fast risikolos 4% bringen.
Ich zeige dir heute drei konkrete ETFs - zwei für den Cash-Parking-Teil deines Portfolios und einen als Spezialkonstruktion, die kaum ein deutscher Anleger auf dem Radar hat.
Die Basis: Zwei Wege, kurzfristig zu parken
Variante A: Der USD-Weg: iShares $ Treasury Bond 0-3 Month UCITS ETF (Acc) ISIN: IE000SSFEUS3 | WKN: A40DL3 | TER: 0,07%
Dieser ETF hält direkt US-Staatsanleihen mit Restlaufzeiten unter drei Monaten. Das ist so nah an "risikolos" wie es in der Anlagewelt geht – die US-Regierung steht dahinter, die Duration ist minimal, das Kreditrisiko praktisch null. Die TER bei nur 0,07% ist konkurrenzlos niedrig. Fondsvolumen: über 500 Millionen Euro.
Aber: Der ETF ist in USD notiert. Das heißt, du trägst das volle Währungsrisiko EUR/USD. In der letzten 52-Wochen-Periode schwankte der Kurs zwischen 87 und 93 - und diese Schwankung war fast vollständig Währungsbewegung, nicht Anleihen-Bewegung. Wer Dollar-Exposure will, bekommt hier die sauberste Variante. Wer es nicht will, sollte zu Variante B greifen.
Variante B: Der EUR-Weg: iShares Euro Govt Bond 1-3yr UCITS ETF (Dist) ISIN: IE00B14X4Q57 | WKN: A0J205 | TER: 0,15%
Der Klassiker für Euro-Anleger. Hält Staatsanleihen aus Italien, Deutschland, Frankreich und Spanien mit Laufzeiten zwischen 1 und 3 Jahren. Fondsvolumen ca. 2 Milliarden Euro, seit 2006 am Markt. Kein Währungsrisiko gegenüber dem Euro.

Auszug aus dem aktuellen Factsheet des ETF | Quelle
Aber: Die Ausschüttungsrendite liegt mit rund 2,00% deutlich niedriger.
Mein Fazit: Beide ETFs sind legitime Werkzeuge, aber sie beantworten unterschiedliche Fragen. Variante A ist reines Dollar-Cash-Parking mit hoher Rendite und Währungsrisiko. Variante B ist der konservative EUR-Hafen mit niedrigerer Rendite und Peripherie-Bias. Welche zu dir passt, hängt von deiner Währungsstrategie ab - nicht von der Nominal-Rendite allein.
Die Spezial-Konstruktion: Credit-Spread ohne Duration-Risiko
Und jetzt kommt das Werkzeug, das die wenigsten in Deutschland überhaupt kennen:
iShares $ Corp Bond Interest Rate Hedged UCITS ETF (Dist) ISIN: IE00BCLWRB83 | WKN: A1W37Y | TER: 0,25%
Stell dir vor, du könntest die Rendite von US-Investment-Grade-Corporate-Bonds einsammeln - Wells Fargo, Goldman Sachs, Boeing, JPMorgan, Pfizer – aber ohne das Zinsrisiko tragen zu müssen, das alle klassischen Anleihen-ETFs belastet.
Genau das macht dieser ETF. Er hält die gleichen Corporate Bonds wie ein normaler IG-Corporate-ETF (knapp 2.800 Titel), aber er shortet gleichzeitig Treasury-Futures, um die Duration zu neutralisieren. Effektiv bekommst du den reinen Credit Spread - die Prämie, die Unternehmen gegenüber dem US-Staat zahlen müssen ohne das Zinsänderungsrisiko.
Die aktuelle Ausschüttungsrendite: rund 4,56% pro Jahr, quartalsweise ausgeschüttet.

Aktueller Auszug aus JustETF | Quelle
Warum das gerade jetzt interessant ist: Du bekommst die Kredit-Rendite und bist gleichzeitig gegen einen weiteren Anstieg der langfristigen Zinsen immun. Mit den heutigen CPI-Daten bei 3,3% und dem Risiko, dass die Fed nicht wie erwartet senken kann, ist das ein hochrelevantes Instrument geworden.
Wichtig: Der ETF ist in USD notiert - auch hier also Währungsrisiko EUR/USD. Und "Interest Rate Hedged" heißt nicht "risikolos". Wenn sich Credit Spreads weiten, was in Rezessionen typischerweise passiert, verliert auch dieser ETF an Wert. Er ist kein Cash-Ersatz, sondern ein gezieltes Macro-Werkzeug.
Drei ETFs, drei Antworten auf drei unterschiedliche Fragen:
A40DL3: Wie parke ich Cash in Dollar?
A0J205: Wie parke ich Cash in Euro?
A1W37Y: Wie bekomme ich Kredit-Rendite ohne Duration-Risiko?
Ich nenne dir diese WKNs nicht als Kaufempfehlung. Ich nenne sie, weil die meisten deutschen Anleger diese Werkzeuge überhaupt nicht auf dem Radar haben und im aktuellen Marktumfeld sind sie relevanter denn je. Keine Anlageempfehlung, mache deine eigene Recherche bevor du investierst.
Neu ab dieser Woche: Die Macro-Watchlist
Ab heute bekommst du ein neues Element in jedem Cashflow Code: die Macro-Watch-Liste. Vier Indikatoren, die ich in der kommenden Woche aktiv beobachte, jeweils mit konkreten Szenarien was passieren könnte und was es für deine Positionierung bedeutet.
Das sind keine Trade-Signale. Das sind die Marktbewegungen, die du verstehen musst, um die nächsten Wochen einordnen zu können. Ich zeige dir, worauf ich schaue und vor allem warum.
Zwei Indikatoren teile ich mit allen Lesern. Die anderen zwei bekommen nur PRO-Abonnenten.
Indikator 1: Crude Oil BRENT bei $94
Der wichtigste Geopolitik-Indikator der Welt. Nach dem Einbruch auf $89 am Mittwoch ist BRENT heute wieder über $94 - das Waffenstillstand-Narrativ löst sich vor unseren Augen auf. Die nächsten 14 Tage sind die Waffenruhe-Frist.

Crude Oil Brent im 2H Chart
Szenario A - Waffenruhe stabilisiert sich: BRENT pendelt sich zwischen $88 und $96 ein. Risk-on kehrt zurück, Inflationsdruck entspannt sich mittelfristig.
Was das bedeutet: Aktien gewinnen langsam wieder Boden, Fed-Senkungserwartungen verstärken sich, Energie-Aktien geben ab.
Szenario B – Volle Re-Eskalation: Crude zurück Richtung $110+. Aktien geben alle Mittwochs-Gewinne ab und verlieren noch mehr, Gold rallyt, Dollar profitiert.
Was das bedeutet: Der "Short Squeeze" entpuppt sich endgültig als Fehlpositionierung, institutionelle Verkäufer kommen zurück, Fed-Senkungen sind komplett vom Tisch.
Szenario C (das aktuell wahrscheinlichste) - Zähes Hin und Her: Crude schwankt zwischen $90 und $105, Waffenstillstand hält formal, aber die physische Realität in Hormuz normalisiert sich nicht.

Crude Oil Brent im 4H Chart
Was das bedeutet: Hohe Volatilität, keine klare Richtung, aber die Inflation bleibt erhöht und die Fed bleibt blockiert.
Mein Blick: Szenario C ist nach den Ereignissen der letzten 48 Stunden das wahrscheinlichste. Wer auf schnelle Entspannung gesetzt hat, liegt falsch. Crude unter $90 wäre das erste echte Signal für Normalisierung.
Indikator 2: DXY Dollar Index bei 98,44
Der DXY misst den Dollar gegen einen Korb von sechs Währungen (Euro, Yen, Pfund, Kanadischer Dollar, Schwedische Krone, Schweizer Franken) - gewichtet, mit dem Euro bei 57,6%. Das ist der globale Dollar-Indikator, nicht nur eine bilaterale EUR/USD-Bewegung.

DXY Index im 4H Chart
Szenario A - Risk-on kehrt zurück: DXY gibt ab unter 98, Kapital fließt zurück in Euro und Emerging-Market-Währungen.
Was das bedeutet: Dollar-Bullen müssen sich neu positionieren, EM-Assets profitieren.
Szenario B - Eskalation und “sticky” Inflation: DXY bricht über 100, der "War Bid" verstärkt sich, heiße CPI-Daten machen den Dollar attraktiver.
Was das bedeutet: Alle USD-denominierten Assets profitieren, EM-Währungen geraten unter Druck.
Szenario C - Die Zerreißprobe: DXY bleibt zwischen 98 und 100 und spiegelt die Zerreißprobe der Fed wider, ein Hinweis darauf, dass der Markt selbst nicht weiß, wohin die Reise geht.
Was das bedeutet: Hohe Volatilität, kein klares Regime, Hedging wird wichtiger als Positionierung.
Mein Blick: Der DXY bei 98,44 ist unauffällig - aber genau das ist das Signal. Der Markt weiß nicht, was er mit den widersprüchlichen Informationen (Waffenstillstand, heiße Inflation, bröckelnde Realität) anfangen soll. Ein Ausbruch über 100 oder unter 97 wird die Richtung für die nächsten Wochen vorgeben.
Die anderen zwei Indikatoren bekommen nur PRO-Abonnenten:
Indikator 3: Die US-Zinskurve (2y und 10y Yields + Spread-Analyse) - der wichtigste Rezessionsindikator überhaupt
Indikator 4: ICE BofA US High Yield OAS - der institutionelle Stress-Indikator, den Hedgefonds und Asset-Manager täglich beobachten
Plus: Der komplette Deep Dive zu kurzfristigen T-Bills in Zeiten einer blockierten Fed, der Sektor-Check Airlines mit konkreten Gewinnern und Verlierern, und die Makro-Kettenreaktion, die von Brasiliens Düngemittel-Problem bis zur nächsten EZB-Entscheidung führt.
Cashflow Code PRO abonnieren
Wöchentliche Makro-Analyse, Deep Dives, Portfolio-Einblicke und Erkenntnisse die ich mit meinen Kunden teile. Für alle, die ihre finanzielle Weiterbildung ernst nehmen.
Jetzt Gründerpreis sichernDas bekommst du mit Cashflow Code PRO:
- Vollständige wöchentliche Ausgabe mit Deep Dive, Sektor-Check & Themen-Block
- Portfolio-Einblick: Was ich meinen Kunden rate
- Makro-Zusammenhänge verstehen, bevor der Markt reagiert
- Zugang zum kompletten Archiv aller bisherigen Ausgaben
- Eine vermiedene Fehlentscheidung zahlt das Abo mehrfach zurück

