Diese Woche hatte alles, was eine Marktwoche braucht - und mehr. FED-Entscheid, EZB-Entscheid, vier von den Magnificent 7 reporten am selben Tag, dazu Apple einen Tag später, Brent über 100 USD und ein Anleihen-Markt, der seit Monaten in eine Richtung schreit. Im Hintergrund: Powells letzte Pressekonferenz als FED-Chair, eine EZB, die plötzlich über eine Zinserhöhung debattiert, und ein Krieg im Nahen Osten, der jeden dieser Punkte verbindet.
Außerdem starten wir ab heute etwas Neues für all unsere PRO-Leser. Bleibt gespannt!
Makro-Überblick - Was diese Woche wichtig war
FED: Powells letzte Sitzung - und sein letztes Vermächtnis
Die FED hat den Leitzins bei 3,50 – 3,75 % unverändert gelassen - die dritte Pause in Folge. Was die Schlagzeilen dominiert: Es war Powells letzte Pressekonferenz als FED-Chair. Sein Mandat als Vorsitzender endet am 15. Mai, danach bleibt er als Governor im Board. Kevin Warsh ist der designierte Nachfolger.
Bemerkenswert war aber nicht das Statement - sondern die Dissens-Verteilung: Vier FOMC-Mitglieder haben gegen die Entscheidung gestimmt. Das ist die höchste Zahl an Gegenstimmen seit 1992. Ein Mitglied wollte senken, drei wollten den "Easing-Bias" aus dem Statement entfernt sehen. Die FED zerfällt in zwei Lager - und der Wechsel an der Spitze in zwei Wochen wird das nicht entspannen.
In der Q&A war Powell ungewöhnlich explizit: "Inflation has moved up and is elevated, in part reflecting the recent increase in global energy prices." Und weiter: Die Inflationserwartungen seien gestiegen - "likely because of the substantial rise in oil prices." Übersetzt: Die FED hat die Karte gesehen, kann aber nichts tun, solange Brent über 100 steht.
Was wir mitnehmen: Statement war erwartbar. Die Dissens-Story und Powells direkter Verweis auf Öl und Inflationserwartungen sind die eigentliche Botschaft. Wer FED-Tage handelt, schaut nicht mehr aufs Statement, sondern auf Powells Mikrofon.
EZB: Von Tauben zu Falken - in einer Sitzung
Die EZB hat den Einlagensatz bei 2,00 % gehalten. Das war erwartet. Erwartbar war aber nicht, was Lagarde danach sagte: Die EZB habe in der Sitzung alle Optionen debattiert - inklusive einer Zinserhöhung.
Der Hintergrund: Die Inflation in der Eurozone ist im April auf 3 % gesprungen, getrieben von den Energiepreisen. Das BIP-Wachstum hat sich gleichzeitig auf 0,8 % YoY im Q1 verlangsamt. Stagflations-Konstellation in Reinkultur.
Das Juni-Meeting wird damit zur entscheidenden Sitzung. Konsens am Markt: Die EZB könnte um 25 BP auf 2,25 % erhöhen, falls der Nahost-Konflikt anhält und die Energie-Inflation persistent bleibt. Vor zwei Monaten hat noch niemand über Hikes gesprochen. Diese Woche stand das offen im Raum.
Was das für dich heißt: Wer 2025 davon ausgegangen ist, dass die EZB der FED dovish hinterherläuft, muss den Trade neu denken. Bund-Yields bleiben unter Druck, der Euro stabilisiert sich gegenüber dem Dollar, und exportlastige DAX-Titel werden in den nächsten Wochen mit gemischten Gefühlen reagieren.
Mag 7 Earnings: Vier Berichte am selben Tag - und alle haben geliefert
Mittwochabend war der Earnings-Tsunami: Meta, Alphabet, Amazon und Microsoft reporten alle am selben Tag. Apple zog am Donnerstag nach. Die Kurzfassung - alle fünf haben die Konsens-Schätzungen geschlagen:
Meta: Umsatz 56,31 Mrd. USD (Cons. 55,5), EPS 10,44 vs. erwartet 6,67 - der größte Beat im Block.
Alphabet: Umsatz 109,9 Mrd. USD (Cons. 107), EPS 2,81 vs. 2,63. Cloud zieht weiter stark.
Amazon: Umsatz 181,5 Mrd. USD (Cons. 177,2), EPS 2,78 vs. 1,63. AWS bei 37,6 Mrd. USD.
Microsoft: Umsatz 82,9 Mrd. USD (Cons. 81,4), EPS 4,27 vs. 4,06.
Apple: Umsatz 111,2 Mrd. USD (Cons. 109,7), EPS 2,01 vs. 1,95. iPhone-Umsatz mit 56,99 Mrd. USD auf March-Quartals-Rekord, getrieben von der iPhone-17-Reihe (+22 % YoY). Tim Cook tritt am 1. September ab, John Ternus übernimmt.
Die Botschaft hinter den Zahlen: AI-Monetarisierung passiert tatsächlich. Cloud-Umsätze ziehen, Werbe-Umsätze ziehen, iPhone-Demand zieht. Aber: Amazon hat in den letzten zwölf Monaten 59,3 Mrd. USD zusätzlich in Property & Equipment gesteckt - das meiste davon in AI-Infrastruktur. Der Free Cashflow ist deutlich gefallen. Genau das ist der Trade-Off, der die nächste Phase entscheidet: Können die AI-Umsätze die CapEx-Welle einholen, oder beißt sie sich vorher fest?
Konsequenz für dein Portfolio: Mag-7-ETFs (z. B. MAGS) bleiben sinnvoll als Beta-Vehikel. Die nächste große Gabel kommt mit Nvidia am 20. Mai.
US-Ölexporte: Stiller Rekord, große Implikation
Bei Brent über 100 USD und WTI bei 101 ist das hier kein Trivia-Punkt: Vergangene Woche haben die USA so viel Öl exportiert wie noch nie - 14,179 Millionen Barrel pro Tag (Crude + Refined Products). Was 2018 noch bei rund 6 mbpd lag, hat sich in sieben Jahren mehr als verdoppelt.

US petroleum exports. "US petroleum exports (crude, refined products) hit record 14.179mbpd last week". Zur Quelle
Das ist der strukturelle Unterbau, warum die USA in diesem Energie-Schock besser dastehen als noch 2014 oder 2008 - und warum die OPEC+ ihre Preissetzungsmacht Stück für Stück verliert. Powell hat in der Q&A nicht ohne Grund mehrere Fragen zu Öl bekommen. Im Hintergrund läuft hier eine geopolitische Verschiebung, die unter dem Radar weiterläuft.
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