
Vergangene Woche hat der Terminmarkt binnen weniger Tage eine halbe Zinserhöhung ausgepreist. Kühle Preisdaten, eine schwächere Industriestimmung - und die Wette auf eine Anhebung im Oktober fiel von 68,6 auf 27,7 Prozent. Das lange Ende ist damals nicht mitgekommen. Wir haben geschrieben: Die Hitze kommt aus dem Preis für Zeit selbst.
Diese Woche hat die Fed geantwortet. Das Protokoll ihrer September-Sitzung sagt: Die meisten Mitglieder halten eine weitere Anhebung bis Jahresende für wahrscheinlich angemessen. Wenige Stunden nach unserem letzten Redaktionsschluss kam der Arbeitsmarktbericht - mit nur 29.000 neuen Stellen. Ein Arbeitsmarkt, der stockt, und eine Notenbank, die trotzdem erhöhen will. Das klingt nach einem Konflikt.
Der Markt sieht keinen. Für Oktober rechnet er kaum noch mit einem Schritt, für Dezember fast sicher. Die 30-jährige Rendite hat am Mittwoch ein neues Hoch unserer Reihe markiert und ist am Donnerstag nach einer starken Auktion zurückgefallen. Der Volatilitätsindex schloss bei 15,40.
Ein Zinsschritt, den alle erwarten, ein Arbeitsmarkt, der nachlässt, und ein Optionsmarkt, der sich nicht absichert: Was in dieser Ruhe eingepreist ist, was nicht - und warum man eine Versicherung kauft, wenn sie billig ist und nicht, wenn man sie braucht: genau das klären wir heute.
Was diese Woche wichtig war
Nicht jetzt, aber sicher.
Das Protokoll der Sitzung vom 15. und 16. September ist eindeutig. Die Anhebung auf 3,75 bis 4,00 Prozent fiel einstimmig, 12 zu 0. Und: Die meisten Teilnehmer hielten eine weitere Anhebung bis Jahresende für wahrscheinlich angemessen - bei offener Prüfung von Sitzung zu Sitzung. Am Donnerstag legte Gouverneur Waller nach: Weitere Erhöhungen seien wahrscheinlich nötig, beim Tempo gebe es Flexibilität.
Der Arbeitsmarkt passt nicht ganz ins Bild. Im September entstanden nur 29.000 neue Stellen, erwartet waren rund 90.000. Juli und August wurden zusammen um 60.000 nach unten korrigiert. Die Quote stieg auf 4,2 Prozent, die Stundenlöhne legten nur um 0,1 Prozent zu, 3,0 Prozent zum Vorjahr. Es gibt freundliche Details: Die Erwerbsbeteiligung stieg auf 61,8 Prozent, und ein Teil des Anstiegs der Quote ist Rundung. Aber ein Lohnwachstum von 3 Prozent ist kein Inflationstreiber.
Der Terminmarkt hat beides gleichzeitig verarbeitet. Die Wahrscheinlichkeit einer Anhebung am 28. Oktober liegt bei 17,2 Prozent - vor einer Woche waren es 27,7. Die Wahrscheinlichkeit, dass bis zum 9. Dezember mindestens ein weiterer Schritt kommt, liegt bei 82,8 Prozent. Vor einem Monat lag die Wahrscheinlichkeit, dass der Leitzins im Dezember über dem heutigen Niveau steht, bei 48,7. Der Markt glaubt der Fed. Er glaubt ihr nur nicht den Termin. Und er glaubt ihr nicht das Tempo: 2 weitere Schritte bis Dezember sieht er nur noch zu 13,6 Prozent, vergangene Woche waren es 20,3.

Neues Hoch, dann die Auktion.
Die 30-jährige US-Rendite schloss am Mittwoch bei 5,67 Prozent - das höchste Niveau unserer Reihe. Am Donnerstag fiel sie um 7 Basispunkte auf 5,60. Über die ganze Woche, Donnerstag zu Donnerstag, bleibt fast nichts: minus 1 Basispunkt. Die 10-jährige schloss bei 5,22 Prozent, die 2-jährige bei 4,75.
Der Rückgang am Donnerstag hat einen benennbaren Grund. Das Finanzministerium versteigerte 30-jährige Anleihen zu 5,618 Prozent, und die Nachfrage war stark. Die Gebote überstiegen das Angebot um das 2,54-fache, im Schnitt der letzten 6 Auktionen waren es 2,41. Bieter aus dem Ausland und große Vermögensverwalter nahmen 72,3 Prozent ab, im Schnitt 69,1. Schon am Mittwoch war die 10-jährige Auktion gut gelaufen. Bei 5,6 Prozent für 30 Jahre gibt es Käufer. Das ist eine wichtige Information für alle, die das lange Ende für einen Markt ohne Boden halten.
Was sich nicht bewegt hat, sagt genauso viel. Die Inflationserwartung für 10 Jahre stand am Mittwoch bei 2,36 Prozent, exakt wie vor einer Woche. Der Anstieg auf das Wochenhoch kam wieder nicht aus der Inflation. Und das Fed-Protokoll selbst nennt die Kandidaten, die wir vergangene Woche aufgezählt haben: Marktbeobachter hätten Unsicherheit über das Rückkaufprogramm des Finanzministeriums und hohe Emissionen am Kapitalmarkt als Gründe für höhere Terminprämien angeführt.

Gelassenheit trotz Zinspfad.
Der Volatilitätsindex schloss am Donnerstag bei 15,40, 6,0 Prozent tiefer als vor einer Woche und unter seinem 50-Tage-Schnitt von 15,55. Das Verhältnis von Verkaufs- zu Kaufoptionen auf Einzelaktien stieg leicht von 0,57 auf 0,62 - weiter ein niedriger Wert. Der große S&P-500-ETF legte 1,3 Prozent zu, die gleichgewichtete Variante 1,4 Prozent. Zum ersten Mal seit Wochen war die Breite nicht schwächer als der Index.
Der Kreditmarkt hat sich beruhigt, aber nicht erholt. Der Risikoaufschlag für US-Hochzinsanleihen stieg am Donnerstag vergangener Woche bis auf 3,24 Prozent - der höchste Wert unserer Reihe, 26 Basispunkte unter der Stopp-Schwelle unseres Sparplans. Seither ist er zurückgegangen, am Mittwoch stand er bei 3,09. Die Ausweitung ist gestoppt, das Niveau bleibt.
Ein Zinsschritt, den der Markt zu 83 Prozent erwartet, ist kein Risiko mehr - er ist ein Preis. Die Frage ist, was nicht im Preis steckt. Und wie teuer es ist, sich dagegen zu versichern, solange niemand danach fragt. Beides steht im Pro-Teil.
Cashflow Code Watch-Liste
Indikator | Niveau | Trend |
|---|---|---|
FedWatch: mind. 1 Anhebung bis Dez. | 82,8 % | ↑ Oktober nur 17,2 % |
US 30J | 5,60 % (Do.) | → Hoch 5,67 am Mi., dann starke Auktion |
HY-Risikoaufschlag (OAS) | 3,09 % (Mi.) | → Spitze 3,24 am 01.10. |
VIX | 15,40 (Do.) | ↓ −6,0 % |
Put/Call Aktien | 0,62 | → kaum Absicherungsnachfrage |
Brent (BZ=F) | 104,28 $ (Do.) | ↑ +1,9 %, Do. zeitweise fast +5 % |
Was Pro-Leser heute zusätzlich bekommen
Was eingepreist ist - und was nicht: Die Dezember-Anhebung steckt im Preis. Zwei weitere Schritte, eine Eskalation am Golf nach den US-Zwischenwahlen und der Start der Bankensaison stecken es kaum. Wer wie positioniert ist und was wem wehtun würde.
Wann sich Absicherung rechnet: ein Rechenbeispiel, wie eine Versicherung, die heute rund 1 Prozent kostet, aus einem Minus von 10 Prozent ein Minus von knapp 4 macht - und warum sie nach dem Schock 3,5-mal so teuer ist.
Die 3 Prüfpunkte zum Positionsbericht sind aufgelöst - und die Wette gegen den Index steht auf ihrem Plateau.
Eine Versicherung kauft man nicht, wenn das Haus brennt. Man kauft sie an einem ruhigen Tag wie diesem.
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