
Vergangene Woche haben wir über einen Verkäufer geschrieben, der anfängt, seine eigene Ware zu kaufen. Das US-Finanzministerium hatte seine Anleihe-Rückkäufe verdoppelt, die 30-jährige Rendite fiel um 10 Basispunkte, und die Entlastung hielt genau einen Tag.
Diese Woche sind die Renditen tatsächlich zurückgekommen. Die 10-jährige steht bei 4,67 Prozent nach 4,74 am Freitag, die 30-jährige bei 5,19 nach 5,27. Nur hat das mit dem Rückkaufprogramm nichts zu tun. Es hat mit Öl zu tun: Brent fiel auf 88,52 Dollar, 5,6 Prozent weniger als vor einer Woche, weil in Hormuz wieder verhandelt wird. Der Anleihemarkt hat nicht der Intervention geglaubt. Er hat der Inflationsseite geglaubt.
Und während das passierte, ist etwas anderes geschehen, das leiser war und wichtiger ist. Der Terminmarkt hat die Zinsanhebung ein weiteres Stück nach hinten geschoben - und sie dort gleichzeitig wahrscheinlicher gemacht. Für September preist er sie mit 33,7 Prozent, sechs Punkte weniger als vor einer Woche. Für Dezember mit 74,2 Prozent, zweieinhalb Punkte mehr. Die beiden Zahlen laufen auseinander, seit wir das erste Mal darüber geschrieben haben.
Der Volatilitätsmarkt sieht das anders. Der VIX schloss gestern bei 14,50, ein Minus von 4,7 Prozent an einem einzigen Tag. Zwei Märkte, dieselbe Zukunft, zwei Preise. Genau darum geht es heute.
Was diese Woche wichtig war
Der Markt schiebt die Anhebung - und macht sie dabei sicherer.
Vor einem Monat lag die Wahrscheinlichkeit für eine höhere Leitzinsspanne nach der September-Sitzung bei 76 Prozent. Heute sind es 33,7. Das ist die Zahl, die man in den Schlagzeilen liest, und sie klingt nach Entwarnung.
Sie ist keine. Für die Dezember-Sitzung stehen 74,2 Prozent - vor einer Woche waren es 71,6, vor einem Monat 89. Der Abstand zwischen den beiden Terminen ist von 13 Punkten auf 40,5 gewachsen. Der Markt hat die Anhebung nicht gestrichen. Er hat sie umgebucht.
Das ist genau die Korrektur, die wir vor einer Woche an uns selbst vorgenommen haben, und sie hat sich in beide Richtungen bestätigt: Der September fällt weiter, der Dezember steigt weiter. Für die Oktober-Sitzung stehen kumuliert 52,8 Prozent - dort ist eine Anhebung seit dieser Woche wahrscheinlicher als keine. Und eine Senkung wird für keinen der drei Termine mehr mit auch nur 0,1 Prozent bepreist. Die ist aus dem Kalender verschwunden.

Eine Aktie hat den Markt getragen.
Nvidia berichtete am Mittwochabend: 96,2 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 106 Prozent, davon 89 Milliarden im Rechenzentrumsgeschäft. Für das laufende Quartal stellt das Unternehmen 108 Milliarden in Aussicht. Am Donnerstag stieg die Aktie um 8,7 Prozent - der größte Tagesgewinn seit April 2025.
Der S&P 500 legte in derselben Woche 1,1 Prozent zu. Seine gleichgewichtete Variante, in der Nvidia genauso viel zählt wie der 500. Wert im Index, nur 0,5 Prozent.
Vergleichen Sie das mit der Vorwoche. Da verlor der Index 2,0 Prozent und die gleichgewichtete Variante nur 1,1. Die Breite hat abgefedert. Diese Woche ist sie zurückgeblieben. Das ist die ungünstigste Kombination, die eine Marktbreite haben kann: Sie schützt nicht mehr richtig nach unten und trägt nicht mehr richtig nach oben. Der Index hängt an wenigen Namen, und der eine Bericht, von dem wir vor einer Woche schrieben, er könne die Rekord-Konzentration drehen, hat sie bestätigt.

Das Öl hat dem langen Ende den Druck genommen.
Brent schloss am Donnerstag bei 88,52 Dollar. Vor einer Woche waren es 93,78, vor zwei Wochen 87,07. Der Anlass ist Diplomatie: Es gibt wieder Gespräche über die Straße von Hormuz, und der Markt preist das ein, bevor irgendetwas unterschrieben ist.
Für uns ist die Bewegung aus einem anderen Grund interessant. Wir haben vergangene Woche eine Stagflations-Spannung beschrieben: schwacher Konsum auf der einen Seite, anziehende Ölpreise auf der anderen. Eine Hälfte dieser Spannung hat sich in sieben Tagen aufgelöst. Die Inflationserwartung für zehn Jahre steht trotzdem bei 2,32 Prozent und damit zwei Basispunkte höher als in der Vorwoche.
Was den Rentenmarkt entlastet hat, war also nicht der Staat als Käufer. Es war ein geopolitischer Zufall. Das ist ein Unterschied, den man sich merken sollte, wenn beim nächsten Mal jemand behauptet, die Intervention habe gewirkt.
Cashflow Code Watch-Liste
Indikator | Niveau | Trend |
|---|---|---|
10J-Rendite (US) | 4,67 % | ↓ |
30J-Rendite (US) | 5,19 % | ↓ |
HY-Risikoaufschlag (OAS) | 2,67 % (Mi.) | ↓ |
VIX | 14,50 | ↓ |
Brent (BZ=F) | 88,52 $ | ↓ |
Gold | 4.594,62 $ (Mi.) | ↑ |
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Zwei Märkte preisen gerade zwei verschiedene Zukünfte. Einer von beiden zahlt.
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