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Vergangene Woche stand an dieser Stelle ein Satz, den wir als Bedingung gemeint hatten, nicht als Prognose: Schließt sich die Lücke zwischen Markt und Fed nach oben, zählt irgendwann doch die 5,40. Das „irgendwann" hat 6 Tage gedauert.

Zur Erinnerung, wie wir hierher gekommen sind. Am 10. September schloss die 30-jährige US-Rendite bei 5,37 - 3 Basispunkte unter unserer Marke. Am 15. September bei 5,36 - wieder knapp darunter. Zweimal abgeprallt, zweimal haben wir hier geschrieben, dass eine Regel, die nicht auslöst, auch ein Ergebnis ist. Am Mittwoch dieser Woche schloss sie dann bei exakt 5,40. Nicht darüber - genau darauf. Und weil unsere Definition „strikt über 5,40" lautet, zählte dieser Schluss nicht. Am Donnerstag schloss sie bei 5,47. Der zählt.

Auslöser war keine Notenbank und kein Krieg, sondern eine Stimmungsumfrage: Die Einkaufsmanagerindizes für September meldeten das stärkste Wachstum seit mehr als 5 Jahren. Der Terminmarkt hat daraus binnen eines Tages eine Rechnung gemacht, die die Fed vergangene Woche ausdrücklich nicht aufgemacht hatte. Und der Aktienmarkt? Hat die Woche mit einem Plus beendet.

Was die erste gültige Zählung für unser Regelwerk bedeutet, was wir heute festschreiben, bevor der zweite Schluss kommt - und warum wir die Gelegenheit nutzen, einmal grundsätzlich über Anleihen zu reden: genau das klären wir heute.

Was diese Woche wichtig war

Die Zählung läuft.

Die Zahlen der Woche, jeweils zum Handelsschluss: Die 30-jährige Rendite stieg von 5,29 auf 5,47 Prozent, plus 18 Basispunkte - laut Marktberichten der höchste Stand seit 2004. Die 10-jährige stieg noch stärker, um 24 Basispunkte auf 5,18 Prozent, den höchsten Stand seit 2007. Die 2-jährige legte 20 Basispunkte auf 4,87 zu. Die ganze Kurve hat sich nach oben verschoben, das kurze Ende fast im Gleichschritt mit dem langen.

Für unsere Marken heißt das zweierlei. Der 4,7-Prozent-Schalter am 10-Jahres-Zins geht in Woche 4, die Serie steht bei 19 Schlusskursen über der Schwelle. Vergangene Woche hatten wir die Reset-Perspektive erstmals als realistisch beschrieben - bei 24 Basispunkten Abstand. Jetzt sind es 48. Diese Perspektive ist vorerst wieder Theorie.

Und die 5,40 am 30-Jahres-Zins zählt: Schluss 1 von 3. Der Mittwoch hat nebenbei gezeigt, warum die Definition so eng formuliert ist. Ein Schluss exakt auf der Linie ist kein Beweis, dass sie gefallen ist - „strikt darüber" hat auf den Basispunkt genau gearbeitet. Was ab jetzt gilt, auch für den Fall, dass heute Abend der zweite Schluss folgt, steht weiter unten im Rat-Teil. Wir haben es präzisiert, bevor es gebraucht wird.

Aus der Lücke wird eine Mehrheit.

Vergangene Woche haben wir die Kernspannung der Ausgabe in eine Zahl gefasst: die 40-Prozent-Lücke. So viel Wahrscheinlichkeit legte der Terminmarkt auf 2 weitere Anhebungen bis Dezember - einen Schritt mehr, als die Projektionen der Fed hergeben. Die Dots zeigen genau einen weiteren, dann Plateau.

Dann kamen die Einkaufsmanagerindizes. Der zusammengefasste Wert für die USA stieg auf 58,4, der Dienstleistungsindex auf 58,7 bei erwarteten 56,0, die Industrie auf 57,0 - der höchste Stand seit 52 Monaten. Das sind keine Zahlen einer Wirtschaft, die bei knapp 4 Prozent Leitzins in die Knie geht. Der Terminmarkt hat entsprechend umgebucht. Die Wahrscheinlichkeit einer Anhebung am 28. Oktober stieg von 53,1 auf 68,6 Prozent (am Mittwoch zwischenzeitlich 70,9). Und für Dezember hat sich die Verteilung gedreht: 4,6 Prozent für keine weitere Anhebung, 36,9 für genau eine - und 58,5 Prozent für zwei.

Damit ist der Modus gekippt. Vor einer Woche lag die wahrscheinlichste Einzelvariante des Marktes noch exakt auf den Dots. Jetzt preist die Mehrheit einen Schritt, den die Fed selbst nicht in ihren Projektionen hat. Die Lücke hat sich also tatsächlich geschlossen - nur nicht so, wie man sich eine Annäherung vorstellt. Nicht der Markt ist zur Fed zurückgekehrt. Die Daten haben ihn weiter von ihr weggetragen. Für Januar liegen inzwischen 75 Prozent auf mindestens 2 weiteren Schritten. Eine Senkung preist der Terminmarkt weiterhin auf keinem Termin.

Aktien atmen den Zinsschock weg - die Breite nicht.

Man würde erwarten, dass eine Woche mit 10-Jahres-Zinsen auf dem Stand von 2007 am Aktienmarkt Spuren hinterlässt. Der S&P 500 schloss am Donnerstag bei 7.704,13 Punkten - 0,9 Prozent über der Vorwoche. Der Volatilitätsindex stieg um 1,5 Prozent auf 15,68 und bleibt damit unter 16. Das Verhältnis von Verkaufs- zu Kaufoptionen auf Einzelaktien lag bei 0,55, kaum verändert. Aus Sicht des Optionsmarkts war das eine ruhige Woche.

Nur die Mehrheit der Aktien hat nicht mitgemacht. Die gleichgewichtete Variante des Index verlor 1,1 Prozent (inklusive der Dividende, die diese Woche abging). Nach 5 Wochen, in denen sich die Breite mühsam erholte, fällt sie wieder zurück - die Spitze trägt den Index allein.

Ein Detail passt ins Bild: Gold fiel in der Woche 1,6 Prozent auf 4.274,18 Dollar (3.756,45 Euro). Nominalzins rauf, Inflationserwartung praktisch unverändert - also steigt der reale Zins, und die Unze verliert. Das ist die dritte Woche in Folge, in der Gold sauber den Realzins handelt: erst runter mit steigendem Realzins, dann rauf mit fallendem, jetzt wieder runter. Wo sich diese Woche die Sorglosigkeit versteckt und wer im Hintergrund die Seiten gewechselt hat, steht im Pro-Teil.

Cashflow Code Watch-Liste

Indikator

Niveau

Trend

US 30J

5,47 % (Do.)

↑ Marke 5,40: Schluss 1 von 3

US 10J

5,18 % (Do.)

↑ höchster Stand seit 2007 - Schalter Serie 19

FedWatch Dez: 2 weitere Anhebungen

58,5 %

↑ von 40,0 - die Lücke ist Mehrheit

Brent (BZ=F)

106,60 $ (Do.)

↑ +1,7 %

VIX

15,68 (Do.)

→ +1,5 %, weiter unter 16

HY-Risikoaufschlag (OAS)

2,73 % (Mi.)

→ +3 Bp - der Kredit schaut zu

Was Pro-Leser heute zusätzlich bekommen

  • Die 5,40 zählt - und wir legen offen, was bei Schluss 2 und 3 passiert, bevor sie fallen: die präzisierte Regel samt Konsequenz, festgeschrieben vor dem heutigen US-Handelsschluss.

  • Die 3 Prüfpunkte zum Positionsbericht der Fed-Woche sind aufgelöst: Eine Profi-Gruppe hat vor der Sitzung eingedeckt, die andere hat nachgelegt - zum ersten Mal laufen beide gegeneinander.

  • Neue Serie „Das Anleihen-Handbuch": warum Anleihen das Fundament des Finanzsystems sind, was ein Prozentpunkt Zins mit dem Kurs macht - und ein geprüfter Werkzeugkasten aus ETFs und Direktanleihen mit Vor- und Nachteilen.

Die Renditen sind so hoch wie seit fast 20 Jahren nicht. Wer jetzt Anleihen kauft, ohne die Mechanik zu kennen, kauft die Schwankung gleich mit - wir erklären sie, bevor wir irgendetwas kaufen.

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